archiv.06.2002
 

02.06.09.22:55:16
ögyr
unsichtbare front (3)

mensch, jürgen! er ruft ihm hinterher. schwankt beim antrab. mensch, jürgen! jürgen bleibt nichts übrig, er bleibt stehen. jürgen findet das nicht gut, aber jürgen ist höflich. jürgen sagt daher, hallo.fred, und dass er sehr in eile sei. fred auch, ja klar auch, immer im dienst, johlt fred, sei fred. die nuckel.pinne in seiner hand schwappt. kommt was raus. jürgen sieht das angewidert, was man ihm kaum anmerkt, denn jürgen ist höflich. mensch, jürgen, lange nicht geseh’n, wie geht’s denn so? fred will lange geschichte hören. wie zum einschlafen. im peidi.bettchen. hoher seegang jetzt gerade auf den planken, auf denen fred steht. jürgen bleibt einsilbig und muss jetzt wirklich los. ja dann, und grüß alle, alle und die frau. jaha! und die kiiiinder! jürgen steigt ein und fährt ab und fred winkt ihm mit der nuckel.pinne nach, dass es aus der weiß raus schäumt

... in drei großen schüben ...

sie schiebt den wagen aus dem laden, haare hochgesteckt, aber so, dass ihr noch paar strähnen in die stirn fallen. wie gerinnende tau.tropfen aus kerosin. großer einkauf, bier.kästen. fred schwimmt hin, macht eine komische verbeugung bis ganz tief vor die fersen ihrer buffalos, ihr fleisch zu küssen. von hinten. sie erschrickt. fred breitet die arme, als wollte er sagen, gnä’ frau, bin völlig waffenlos. sie sieht ihn an wie den müll, der aus dem papier.korb quillt. freds dosen. das heißt, sie sieht also an fred vorbei. fred wedelt mit den armen, zehn.zentimeter.wellen in seiner nuckel.pinne. es kommt was raus. und aus ihm, gequetscht. ob er vielleicht ein, zwei fläschchen aus den drei kästen, das fällt doch nicht auf. sie meint, er spinne wohl. geht weg. fred zu schwankend zum hinter her hinter dem hintern in der knall.engen. sie füttert ihren golf. die klappe geht nicht zu. fred hin. klappe zu, kein problem. ob sie vielleicht was zu rauchen. nee, auch nicht. steigt ein, wobei sich ihre ferse mit einem schmatzenden geräusch kurz aus dem monströsen buffalo hievt wie einer, der ertrinkend nochmal kurz aus dem wellen.berg. gas.pedal mit buffalos. kupplung. mit zu hoher drehzahl kurvt sie vom platz. fred winkt. ja, er winkt. mit der pinne, aus der immer noch ...

... in zwei kärglichen pladdern ...

vanessa, das girlie von der kasse, ist, wie man jetzt sieht, wo sie nicht an der kasse sitzt, sondern so’n großen gitter.wagen durch den laden schiebt, ziemlich drall an den hüften. die kleine ist ganz schön drall, stellt jedenfalls fred fest, als ich ihm 2.euro gebe. ich hab’s nicht kleiner, entschuldigend. fred steckt’s wortlos ein. man kann fred schlecht fragen, ob er raus geben kann. aber man kann fred fragen, was er sieht. sonst wohl keiner, aber fred hat bemerkt, wie ich vanessa verstohlen nachsehe. fred reißt ’ne dose auf, hält sie mir hin. los, alter, trink dir einen, die kriegste niemals, aber von hier aus haste den besten platz, um die kleine immer im blick zu haben, jedenfalls wenn sie an’ne kasse. fred kann nämlich gedanken lesen, sagt er, in echt, als wir uns zuprosten, er weit.schweifig, ich mit vorsicht, dass mich keiner sieht. ich stehe hier also vor dem super.markt, möchte gerne mit der voll hübschen kassiererin vanessa, die ich ansonsten nicht kenne, die aber immer so freundlich lächelt, schlafen, am liebsten auf paar papp.kartons im lager, gleich jetzt und hier, trinke bier mit fred und kenne jürgen nicht ein tausendstel so gut wie fred, den jürgen nicht mehr kennen will. und sehe zu, wie vanessa den gitter.wagen aus dem laden ins lager schiebt, dabei auf ihren bild.schönen siesal.öko.plateaus ein bisschen unbeholfen stöckelt, als wären das turmhohe, rot.glänzende high.heels. sieht verdammt hübsch aus, oder, fragt fred wissend. ich werde rot. das kommt vom bier, sagt fred. wir prosten. dann muss ich aber wirklich los. musst du doch gar nich’, schwankt fred hinter mir her, musst du doch gar nich’ ...

... aufs laminat in einem vertrockneten ...

brauchs.u.tüde, fragt der döner.mann, der so aussieht wie sky.dumont, wenn sky.dumont nicht in filmen den feinen mann machen würde, sondern der fett.mann vom hans.sönker.eck wäre. auf der holzbank sitzt fred, völlig dicht. mensch, alter! mensch, alter, wie geht’s, was machen die kiiinder? und hält mir ’ne tüte hin. zu breit, zu breit, sinnt fred, legt sich lang auf die bank. ich hocke mich hin und tue so, als zöge ich an seiner tüte. er nimmt sie wieder, als ich sie ihm zurück. lässt sie fallen. der gute stoff, denke ich wehmütig. und fred lallt sich in was wie traum. mensch, alter, ich kann nich’ mehr pimpern. ich kann echt nich’ mehr pimpern. fred gebraucht das schöne alte wort pimpern. ich sage, dass das schöne alte wort pimpern kaum noch einer kenne. ja, also, vögeln, sagt fred. ja, vögeln, das willst du doch mit der kleinen, oder? da musst du ran und hin, sagt fred, da musst du einfach mal fragen. ich kann ja nich’ mehr pimpern. ich kann ja nich’ mehr. da musst du ran und pimpern. und ganz doll pimpern. du bist doch in die kleine verliebt, das sieht man doch. und das sieht man doch. aber du kannst das nich’. und fred fängt an zu weinen. es läuft aus ihm, das viele, das bier, das überhaupt und alles. und der himmel, sonntagabends jetzt verdüstert, schwül, eintrocknend im flug erster mücken im strauch über freds vernarbter stirn, weint bisschen mit

... ins gebüsch heimlich verlorene sehnsuchts.tropfen ...


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