ByeByePass 50 (und letzter)

50 (110724 2:01)

die seltsame moritat von freitag bis sonntag

am freitag ist es gewesen, dass ich
schloss schon den ersten augenblick
vor diesem „licht der welt“.

es war in einem januar,
zu früh im vierundsechziger jahr
und einen tag vor den vätern,

die später zu solchen
ich mir auserwählte.
der eine hieß schmidt

und war mir auf einen tag,
den ich zu früh war, voraus,
ein halbes jahrhundert im schritt,

an den leiden des herzens,
den gleichen bis selben, und auch an der zeilen
nicht minder verschlagenem schnitt.

wir gehen und stehen,
denn das ist das lied,
vom freitag zum sonntag.

alsdann kamen lieben
zu frauen und damit gedichte,
die jünglinge schrieben

an mädchen und beide
in ein und einziger zahl,
als wären nur diese zweie,

an denen ein weekend
zählte drei tage
an rhein erst und förde,

dann am gestade des boddens,
der havel, am wannsee,
wo kleist einst, sie wissen schon, naja …

überhaupt diese tümpel
und weiher, dieses frosch-
laichende dichten an ufer:

wir gehen und stehen,
denn das ist das lied,
vom freitag zum sonntag.

und dann war dies herz,
das pochte zum scherz erst den schmerz:
die ärzte, sie haben’s gerichtet.

und die flaschen, zu volle, zu viele geleert
wie das leben, das falsche, verraucht,
eine kerze, die, sagt man,

an zweien der dochte brannte,
jetzt dreie erhalten,
zu pumpen (das wachs) weiter in verse,

zu singen nochmals diesen reigen,
zu zahlen wieder diesen lohn,
auf den kaum noch einer renditen will.

und sollten wir dichten
weiter von freitag bis sonntag
von genau diesen dreien neuen dochten?

wir gehen und stehen,
denn das ist das lied,
vom freitag zum sonntag.

ich fange das untergehen
wieder an und gehe weiter
diesen weg, den holden hohlen.

man wird mich nicht finden auf wiesen,
die nebenan das blühen lohen,
ich verwelke doch, ich bin so schön

und müd’ und verweile deshalb nicht
euch langweilanhaltenden
an euren wöchnerinnenden weekends.

ich bleib’ euch die woche, die mühsal,
das schicksal auch, das trüber
singt und sinkt, herüber rinnt

in die zeit des wartens,
des sinnens, des ertrinkens,
der stimmen, von denen ich schrieb:

wir gehen und stehen,
denn das ist das lied,
vom freitag zum sonntag.

ByeByePass 50 by oegyr

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1 Antwort zu ByeByePass 50 (und letzter)

  1. Helmut sagt:

    Lieber Jörg.
    jetzt, wo Du die Bergwelt mit ihren luftigen, klaren, spießigen Höhen wieder verlassen hast und langsam in den flachen, tristen, doch auch geliebten Ebenen der Kieler Küstenwelt angekommst, denk bitte daran: Es gibt noch ein Leben jenseits aller Mühen, jenseits aller workoholixschen Sysyphosselei, jenseits allen bedenklosem Konsum von Gesöff und Gepaff, ein Leben “meist” frei von diesen rat-armen Rädern und Dingen des Alltags und zwar: IN DIESEM LEBEN! — Denn was das Jenseits für uns bereithält, sofern es denn existiert, keiner weiß es, nur viele glauben und hoffen …
    Nur das Beste für Dich
    Helmut

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