Di, 3.8.10 (Mi, 4.8.10, 22:36): Public Drinking für die Zärtlichkeit der Völker

Abends Stammtisch in der „Sternstunde“. Draußen am noch etwas restberegneten Tisch. Es wird Herbst. Ab Dämmerung braucht’s wieder eine Jacke. Public Drinking (Bier) und wieder diese unnachahmlichen Gespräche über Götter und die Welten, gespickt mit unserem wachsenden und stets abrufbaren Schatz an Zitaten. Heute im Angebot die verblasenen Parolen der verstorbenen Linken, die in all ihrer Ewiggestrigkeit doch was Sympathisches haben. Zum Beispiel ein Hoch die Tassen auf die „internationale Solidarität“, die bekanntlich die „Zärtlichkeit der Völker“ ist. Ach, all die Sponti-Sprüche, die zu sowas aus angrenzenden Assoziationsarealen wach und zurück ins gesprochene, skandierte und kandierte Leben gerufen werden. Wie andererseits einem das Solidaritätsgehubere etwa vom benachbarten linken Buchladen auf den Sack geht. Solidarität als Einforderung. Wer nicht solidarisch ist, wird exkommuniziert. Aus einer „Glaubensgemeinschaft“, die es freilich längst nicht mehr gibt. Eben, weil niemand mehr solidarisch ist – und nicht zärtlich mit den Völkern oder Buchhändlern, die zwar links, aber irgendwie verschlafen sind. Wohl aber – ich wenigstens innerlich, die Stammtischgenossen, denke ich, auch – mit einander, mit uns alternden Männern, denen die schönen Ideen, die großen und weltverändernden nicht abhanden sind, nur derzeit nicht „am Start“, weil „nicht gut aufgestellt“. Nach nur zwei Bieren (Nullfünf) bin ich auf dem jesuslatschenden Heimweg irgendwie trunken, wankend. Man kann eben nix mehr ab. Aber glücklich, öffentlich trunken und zärtlich mit dem Völkchen meiner „Homies“.

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