30-10-95, 0:43

ein tag, einer der ersten des frühlings, hatte es geheißen. jetzt war einer der letzten des herbstes dahin. die sonne hatte golden in der neige gestanden. zwischen den farbigen blättern hatten letzte mücken gekreist. ein erker im licht war sk aufgefallen, als e am automaten geld abhob. sie gingen durch den park. später, es war bereits dunkel, gingen sie gemeinsam zurück. und gingen wie schutzsuchend zu nah aneinander und wie doch zusammengehörig. sk ergriff darob, oben standen die sterne, jetzt aus dem wg der orion im osten, eine heftige sehnsucht. r war am telefon aus berlin zu glücklich und schnippisch gewesen. er vertrockne, hatte sk gesagt. tödt immerhin hatte sein alleinsein verstanden. so glitt sk. e ging neben ihm, zu nah, doch keine hand fastete an der anderen, „dergleichen geschah nicht auf erden“.

sk hatte darauf von rosa gesehen, wie es endet, zunächst in der buchstäblichen zelle, die bei sk nur symbolisch war, aber nicht minder allein und in der nacht geweint. wie es endet, dann erschlagen in einem kanal, zerstoßen den schädel von einem mörser. sk dachte an den „treuen maulwurf geschichte“. er nahm an, daß auch ihm einmal licht werde, ein solches, das am nachmittag eher die sonne unbeteiligt geschienen hatte. ein rotes licht, das scheinen werde, alles elend hinweg und alle schatten. „trotz alledem“ – und sk reckte die faust wie beide zu „alt wie ein baum“ von den puhdys, das bei i&i gespielt worden war, wohin e und sk der park zum „kaffee“ geleitet hatte. als sie zurück durch den dunklen park, schienen da fenster von gegenüber ihr licht auf den teich. das sah so sehr romantisch aus, daß sk e darauf hinwies. dabei sprach er aber in der vergangenheitsform, so als sei’s schon in die erzählung eingefriedet. sah sie ungläubig und verwirrt?

woran sk litt, war unvergleichlich mit dem, was täglich so herumgelitten wurde in anderer hirn. es war unvergleichlich, weil zu klein und glück noch allemal zu jenen, die da draußen litten. in sk selbst natürlich dennoch die völlige verheerung durch sehnsucht und sehnsucht und sehnsucht. wie sah er sie an? wie aber weinte er, als in dem film von rosa nach langem gefängnis sie ins revolutionäre berlin zurückkehrend umarmt wird von dem ehemals geliebten, den sie dann, nah dem mord, ihren „goldenen“ heißt. er weinte darum um r. die war fern, und e war nah gewesen, doch nicht die hände.

thc.

was sind deine hände, sag, an denen kaum ring wächst, nur eine dünne länglichkeit wie fehlgeburt. wie du gingst vor mir, und stiegst die treppen auf. all das bewahren, diesen tag, der so kläglich, der so schriftlos gezollt. wie solle er das ertragen, all das trotz alledem, fragte sk. und wenn auch kaum leidend am leiden gemessen, litt er heftig. er litt und litt. und ohne ausweg schien dies. wie er stürzen werde, „wie die lilien“, war noch vorher anzugeben und vollständig ins wort zu setzen.

jetzt setzten thzehens schwesthern in gang, grad jetzt, dies fiese unverändert schreiben, dies huschen über die tasten in eiliger geschwindigkeitseile. als sei ihm das, so schrieb er, sk, mit raschen bewegungen auf dem heißen gold der buchstabentasten. die aber klickten für und für. was ihm eigen, an lust und lüsten, an not und noten, die überall verstreut lagen, anfallslos, wie der sommer gewesen. so schmecke der herbst. der ihr gefalle, der e. der gefalle ihr. vielleicht liege das nur daran, daß sie dort geboren – und auch sk’s faible für schnee.

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