Mo, 06.01.2020, 22:25

Nach den Feiertagen das erste Mal wieder Therapiesitzung. Das sterile Neonlicht von oben wie in einem Verhörraum. Ist aber kein Verhörraum, sondern ein Zuhörraum. Ich fühle mich dort – trotz des unangenehmen Lichts – aufgehoben, angenommen mit all den Verheerungen und Verzweiflungen, weil alle dort zwar nicht dieselben, aber doch sehr ähnliche Verheerungen und Verzweiflungen haben, erfahren sind im Scheitern und in den „Mühen der Ebenen“ (Brecht). Hier unter den Süchtigen, zufällig zusammengewürfelten Schiffbrüchigen in einem Rettungsboot, Notgemeinschaft, muss ich nichts darstellen, nichts sein, und also kann ich sein, wirke auf mich selbst authentisch.

Gemeinsam erforschen wir im Gespräch, was Sucht ist, wer wir mit und in ihr sind. Ich erzähle, wie ich die Sucht als Modus des Seins erlebe, der all mein Sein durchwebt. Und zwar als Maßlosigkeit. Ich bin in allem maßlos, nie im Gleichgewicht. Zu viel Drogen, zu viel Arbeit, zu viel Essen, zu viel Lieben …, zu wenig Struktur, zu wenig Selbstachtung, zu wenig Disziplin … Und – das kommt bei mir hinzu – das in allem besonders und anders sein Wollen, auf keinen Fall Mittelmaß, sondern maßlos.

>> 06.01.2010
>> 06.01.2000
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