Di, 23.06.2020

Die Konzentrationsschwierigkeiten führen dazu, dass ich dauernd aufspringe, um Übersprungshandlungen zu vollführen. Bisher war das der Weg in die Küche, irgendwas zu essen oder zu trinken (früher neue „Mische Halb & Halb“ einzuschenken). Seit ich die Ernährung umstelle, ist auch die Küche für so „nebenbei“ eine „no go area“ (zumindest „not so often“). Also aus dem Büro statt nach rechts nach links auf den Balkon. Dort nicke ich wegen der dauernden Tagesmüdigkeit ein oder beobachte Tauben und Möwen und den Fortgang der Rathausuhr (das eilige Schleichen des Minutenzeigers ist eine Bewegung, die eins gerade noch als solche wahrnehmen kann, wenn länger fixiert).

Dann mal aufstehen, um über die Balkonbrüstung hinweg auf die Ruinenecke des Nachbarhauses zu schauen (wo oft die Tauben sitzen). Wenn die Sonne darauf scheint, funkeln gelb die winzigen Blüten einer Pflanze, die auf dem Abbruchsims wurzelt, ein (so genanntes) Unkraut, das sich an den Backstein klammert. Sobald die Sonne hinter dem Haus verschwindet und Schatten auf den Sims fällt, schließen sich die Blüten, und die Pflanze sieht wie längst vertrocknet aus. Sie stellt sich tot – ist aber im Sonnenlicht lebendig, hält die Blüten zur Bestäubung hin. Ich anthropologisiere das sofort auf mich und grüße in einem Anflug von Pantheismus die „verwandte Seele“.

>> 23.06.2010
>> 23.06.2000
Dieser Beitrag wurde unter d.day.2020 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.