Fr, 31.12.10 (Fr, 31.12.10, 23:26): Silvester-Snap

23:26: Enormer Kracher am Bahnhof. Über die Schienen am Kai zum Blauen Engel, wo heimeliche Lichter glimmen und man unterm Baldachin an Grog und Mini-Böllern luntelt.

Drinnen Calypso-Tänzer und Stehparty unter der Marlene.

23:56: „Gibt’s eigentlich ein offizielles Feuerwerk?“, fragt ein Erwartungsfroher. Und wünscht guten Rutsch. Der Knall beginnt auf Fall fünf vor. Countdown. Die Schiffe tuten, die Menschen johlen. Wir fotografieren und notieren.

Stoßen an, Sektglasgeklirr. Kollegial kühl. Alkohol im Dienst. Heute erlaubt.

0:06: Neujahrskuss, engumschlungen. Das Paar draußen am Strandkorb am Kai, wie zeitentrückt. ZWISCHEN ihren Jahren.

0:40: Wie Revolvertrommeln die leer geschossenen Batterien. Russisch Brot, russisch Roulette, russisch Ei, russische Melancholie.

1:14: Rocky Horror Picture Show Revival im Studio-Kino, jetzt die Reste des harten Kerns. Pfannkuchengelage. Klopapiere des Retro-Horrors. Schlohweiß ins Schwarze.

Und in die Kelche aus Licht.

1:52: @ease: Oase des Lichts von der Brücke über dem Dancefloor herunterbeschienen. Im Licht flatternd fallender Engel in neonisch ultraviole[n/t]t glimmenden Weißhemden.

Die Trauer der Arbeit, noch zu verrichten, der DJs an ihren Netzwebstühlen elektronischer Tanzmusik. Das Spinnen verlorener roter Fäden.

2:27: Unter den Lampions de la Lune das peacige Prosit auch auf den Prolog um Eilf (Werther’s Echte in der Wangentasche).

Moderate „Luna-Ticks“ unterm Dancefloor-Himmel.

Und oben droben drüber und nicht drunter, 1st Floor Reggae, das zarte Kraut der Wünsch-dir-Wasser. „Have a wish!“ In die Mische und Maische, in den Mai der Nacht.

end of filed di.gi.arium 2010.

— snip! —

epilog – so …

so war, was hatte ich von mir zu sagen,
vielleicht nicht lesens-, sehens-, hörenswert.
doch wollt’ ein weit’res mal sich in euch wagen
wie auch in mich mein wort, das zarte schwert.

so ist, was senkte sich, nun aufgehoben
in seinem leisen grab aus lauter liebe.
zwar bleibt es in den zwischenraum verschoben,
wo nicht der vers, doch sein dazwischen bliebe.

so wird, was war, aus dem gewes’nen sein,
und möglichkeit entblättert ihren sinn
im großen wort voll demut winzig klein.

mich schilderte, was machte mir symptome,
das wort vom dichterbürger, der ich bin:
ein molekül auch eurer fühlatome.

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2 Kommentare zu Fr, 31.12.10 (Fr, 31.12.10, 23:26): Silvester-Snap

  1. Daniel Krönke sagt:

    mit ein paar atmosphärischen schnappschüssen verabschiedet unser reimend rasender reporter ögyr das jahr 2010. vielen dank für deine journale aus der “nacht für niemand”. keep up the good work!

  2. Pingback: Gummitwist in Geisterstädten | schwungkunst.blog

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