wie die lilien

1: as/zt << poe

straßen, wo in finstern’ leeren
kranke engel nur verkehren
und ein eidyllion, die nacht,
hoch auf schwarzem throne wacht,
führten jüngst mich in dies’ land her
von ultima thules strand her
und sei’m dämmersaum,
wild wie hexentraum,
jenseits von zeit, jenseits von raum.
bodenlos’ tal gerinnt und spalt,
geflutet’ höhlen, titanenwald,
von vorne nimmer zu begreifen
vor lauter tau und tränenträufen.
berge torkeln immer vor den küsten,
lose meere dort, meere branden ungeheuer
auf zu himmeln wie aus feuer,
laachen ohne boot und lot
tote wasser öd’ und tot,
stille wasser, still zuwider,
lilien räkeln schneeweiße glieder.

2: ögyr << as/zt

wir wagen, wo wir düsteres erwägen,
das lichtere gewicht der dunklen welt,
wo grade wir und schlingernd uns verschrägen
auf das, was uns doch eben hat bestellt

zu dichters ausgezehrt’ elysium:
in dämmersaum und blocksgebirgnen raum,
durchs schauerfeld und dessen phrygisch drum,
das zeit nicht kennt, nur uns’ren ew’gen traum.

was rede ich von dichtern, wortzermetzern?
bin nachgeschriebenes, nur du wie wir,
das aus den wunden schrieb sich ein verletztern,

wie lilien tun, wenn sie in pracht verwelken
und fühlen tau als alterndes geschwür,
auf dass sie’s schüchtern und im vers bewält’gen.

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