die vögel singen am landwehrkanal

da schwimmt noch immer deine leiche, rosa.
und wer dich hatte einstens schon verraten,
der reimt sich immer noch auf „demokraten”,
sozial sich schimpfend, doch kein mariposa.

die flügel, die du breitetest den vöglein,
welch’ schwangen sie in dein’m gefängnishof,
sie flattern sich gerechtigkeit als möglein
wenn sie wie immer stell’n sich treu und doof.

ach ja, wir sind kaum zwanzigstes prozent,
wo’s volk, bald dreißig, anderen nachrennt,
weil nichts gelernt in hundert mörderjahren.

dort west noch immer deine leiche, rosa.
und wo wir einst wie jetzt in trümmern lagen,
da fragst du uns, was wären antidota?

(190115)

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sonett surrender

„the summer ’s gone and all the roses falling“ (johnny cash)

autos fahren durch die straßen, dicht
an dicht, ich komm’ nicht mehr herüber, über’n
fluss. so bleib’ ich stehen dort im nicht
und weiß dem steten strom nichts zu erwidern,

als sommern nachzusitzen in den schatten,
aufzugeben blinzeln in das licht
und schnuppern nur, was blüten damals hatten,
wo so naher hauch war voll verzicht.

ich komm’ nicht mehr herüber, geh’ zur ampel,
bei rot schreit’ ich voran ins ewig grünen,
worin ich mich in leid und lied verwandel’.

blühen werd’ ich dort, ja, schüchtern blühen.
singen werd’ ich dann mein sommerlied.
denn es ist nicht, wie es damals blieb.

(181230)

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schatten.licht

Siehe auch: https://vimeo.com/302542301

Times New Roman

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führen ohne zu befehlen (1)

ich kann dich nur führen | wenn du mir nicht folgst | du befiehlst mir | dir nicht zu gehorchen | tröstend ohne mitzuleiden | denn mitleid ist kein trost | weil er wiedertröstung fordert

wenn man einen satz umkehrt | und er ist trotzdem wahr | wenn das so „aufploppt“ | mit all der plötzlichkeit | spritzt die hoffnung | aus den widersprüchen | von glaube und liebe

aber ich kümmere mich doch | ich schreib ihr schöne gedichte | die besten | wie ich sie erst jetzt kann | aber einer gedichte schreiben | ist nicht kümmern | allenfalls bekümmernis | ins material

als wär’ da ein fernes feuerwerk | ganz nah in uns’ren herzen | scheiß auf sand unterm pflasterstrand | und den halbnackten füßchen | im sommer | in der großen stadt | auf den trottoirs | wir stöckeln höher drüber | pflaster an den wunden fersen

und nämlich den seelen | zwischen der kunst | die nach brot geht | schmiere ich mir | your naughty nectars | mit biegsam soul | swingendem messer | auf eben diese trock’ne stulle | das nenn’ ich gedicht

ich befehle mir | mäßigung | folge ihr aber nicht | die worte sind zu süß | candid candys | ihnen zu widerstehen | es sei denn im sauren | uns’rer säfte | blut | schweiß | und

ja | tränen | salzig schmeckt meine stadt | nach ihnen der vielen | denen wir folgen und nie | befehlen | denn wir wollen sanfte sein | süßwassermatrosen revoltierend

denen sagt man | und flüstert frau nach | ich war | ich bin | ich werde | bei dir | sein | führend ohne folgen

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181102_wooden_hands_berlin

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give me five! (vibes)

die dichter lohnen
sich das verschonen
von wirklichkeit und welt
mit versen und dem wort,
das sie vernetzen an den and’ren ort.

verschwinden oder lieber
gleich sich ganz verschwindeln
in kopf- und nachgeburt?
nein, sich endlich doch entwindeln,
und nicht mehr sein, was mit den worten hurt.

was aber befriedet den wald,
wenn nicht seine bäume?
was nicht die blüte,
der die biene, verzweifelt,
am nektar saugt?

was wäre „deeper“
als genau diese oberflächlichkeit?
ich wag’s zu fragen:
was wäre ehrlicher als diese
lüge und wie würde ich hindurch dich führen?

als würde man statt all der fragen
antgewortetes nun doch ertragen,
oder er bliebe wie in der liebe
doch weiter bei dem wartend wagen,
als wär’, was nun nicht ist, eigen schon dem diebe.

(180918 / mo@ma)

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„aufforderung zum“ tanz

„du bist die tänzerin im sturm / du bist ein kind auf dünnem eis / du schmeißt mit liebe nur so um dich / und immer triffst du mich.“ (ulla meinecke)

ich forderte dich auf:
inzwischen weiß ich, dass ich mag,
was wär’ der neu erwachten nacht der tag,
du gingst in ihr auch mit mir aus.

du bist die tänzerin, ich choreograf,
ich leit’ dich an als hirte
als dein brünettes schaf,
ich bin dir häuslich unter deiner schürze.

du siehst und hörst mich an:
ich war, ich bin, ich werde sein – auf heide.
doch jetzt mein nuckeln an verglimmtem halm,
den ich in dir erleide:

das ist mein weh, wie ich’s erwähne:
es ist des leidens unbefang’,
das nichts dir nachgefraget: wann?!
es ist, was ich mir dir erschämte.

so ist das alles sehnen,
verdichtet jetzt und allzumal,
dein mich im chat dann doch erwähnen
und was ich schrieb dir, ach, so schmal …

(180916, @m)

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das rote kleid

das rote kleid, ein einzig während wunder,
und deine hand, so zart an deiner hüfte.
wär’ ich mit roten rosen auch dein kund’ger,
ich wäre liebesam dein in die klüfte.

das rote kleid und seine wallend rüschen,
der stoff, der deine nackte haut verbarg.
er fiel hinab zu deinen schönen füßen
und war, was ich nicht zu entblättern wag’.

das rote kleid so lang wie himmelsbeer,
es sagt verzagt ein „rühre mich nicht an“.
es bleibet kurz, wo ich es so begehr’

und macht, als wär’ es anfang und begann
mir heiter, der ich dichtend dich ersehne
und darin sich als halbgekunst erwähne.

Collagen von Uta Kathleen Kalthoff: www.uta-kalthoff.de

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