Sa, 18.01.2020, 22:03

Zusammen mit dem trauernden Vater auf der Suche nach einem Bild von der verstorbenen Ehefrau und Mutter, geeignet, bei der Trauerfeier neben der Urne zu stehen. Es soll fröhlich, aber auch „förmlich“ (er meint damit: dem Anlass angemessen) sein. Das scheint etwas wie die Quadratur des Kreises, denn die Mutter sieht entweder fröhlich oder förmlich aus. In die zunächst unkonzentrierte und von mir logistisch angeleitete Suche vertieft sich der Vater immer mehr und eigenständiger (auch eigensinniger). Dabei gerät er zu immer früher fotografierten Bildern der Mutter. „Schau mal, hier sieht sie noch ganz jung und gesund aus“, sagt er. Ich wende ein, dass es bei einem Trauerbild weder auf Gesundheit, noch Jugendlichkeit ankomme. Ich finde eine mater dolorosa passender. Obwohl eben das Bild noch schiefer und unauthentischer ist als der Bildwunsch des Vaters, diesen geradezu sträflich außer Acht lassend. Es liegt wohl daran, dass das (willentlich nicht fotografierte) Bild der gerade verstorbenen und von Schw. L. so jenseitig schön aufgebahrten Mutter mir am tröstlichsten erscheint. Ich muss davon ausgehen, dass das eine meiner Hybren ist. Also lieber der Hybris des Vaters folgen; das allerdings mit großer innerer Ungeduld.

>> 18.01.2010
>> 18.01.2000
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Fr, 17.01.2020, 21:50

Besinnungslos besinnlich.

>> 17.01.2010
>> 17.01.2000
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Do, 16.01.2020, 03:30

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>> 16.01.2010
>> 16.01.2000
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Mi, 15.01.2020, 19:35

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>> 15.01.2010
>> 15.01.2000
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Di, 14.01.2020, 23:30

Sturmnacht. Liegen im Scharnier.

>> 14.01.2010
>> 14.01.2000
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Mo, 13.01.2020, 16:45

Signal von Beteigeuze. Nahende Explosion?

>> 13.01.2010
>> 13.01.2000
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So, 12.01.2020, 20:02

Was mir gut tut, weiß ich nicht oder, wenn ich es weiß, missachte und demontiere ich es mutwillig, weil Leiden besser zur (aggressiven) Selbstinszenierung passt. In einem Traum frühmorgens sage ich jemandem dennoch, dass ich immer genau wisse und gewusst hätte, was mir gut tut. Während ich das sehr überzeugend sage, sehe ich mich von außen wie mit einer Kamera, die ganz nah an meine Brille heranzoomt, so dass sie die Fettränder darauf sieht. Meine Augen sind unter der Brille zwar geschlossen, wirken aber ganz klar, wach und „von feurigem Glanz“.

Gleichzeitig habe ich das Gefühl von Levitation, ich kann schweben und mich wie ein Ballon oder Luftschiff durch den Raum bewegen. Ich bin auch ganz aufgeblasen und rund wie eine Kugel, ein Obelix, und bounce an den sechs Wänden des Raums. Ich führe das den WG-Mitbewohnern vor, die davon ziemlich beeindruckt sind. Zu Gast ist auch A.M.G., ein früherer Schulfreund und Studienkollege, auch Physiker, der so etwas „Poetisches“ wie Levitation für Humbug und Täuschung hält. Schon damals auf dem Gymnasium musste ich meine „schöngeistigen Neigungen“ immer vor ihm verteidigen. Dennoch muss er jetzt anerkennen (und ich triumphiere, bounce keck an ihn), dass mein Schweben „evident“ sei. Gegen Hindernisse in meinem Flug stoße ich nicht, ich pralle sanft ab, mache dabei ballettene Gesten.

Der Raum, das Zimmer hat mehrere Ebenen, etwa das Hochbett wie in dem letzten von mir bewohnten WG-Zimmer in der Holtenauer Straße, das ich nach W.s Unfalltod bezogen hatte (worin auch das 95er diarium entstand). Das Zimmer besteht aus mehreren verbundenen Fluren und Winkeln, Erkern, innere Treppen und Stufen wie in einem Escher-Bild oder expressionistischem Stummfilm.

Grundempfinden: Ich bin widerständig und eigensinnig und muss mein Künstler Sein (Levitation) gegen das Rationale, Wirkliche verteidigen. Gegenwelt errichten. Mein Eigensinn hat dabei eine durchaus aggressive Geste, gut getarnt durch die Sanftmut der Bewegung.

>> 12.01.2010
>> 12.01.2000
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Sa, 11.01.2020, 20:12

In Design-Läden in der Mall auf der Suche nach Ersatz für eine zersprungene Teekanne. Ich bin von der Vielfalt und Buntheit überfordert, so dass ich in den „Drift“-Modus schalte. Ich lasse alles vorbeifließen und versinke dabei in mir. Dazu aus dem Muzak-Lautsprecher, stylish, aber auch sehr beruhigend: Goldberg-Variationen. Träumerisch. Wunderland. Das ist der Link zu meiner Dunkellichtwelt, pastell leuchtende Finsternis, weichgezeichnet. Teatime. Wölkchen im Tee. L. zeigt mir Porzellangeschirr. Ich finde es schön, weiß aber nicht, was „schön“ ist.

>> 11.01.2010
>> 11.01.2000
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Fr, 10.01.2020, 21:06

Das mit dem TEXT, der mein Hirte ist, funktioniert noch nicht wieder so richtig. Die grüne Aue, auf der er mich weidet, ist ja auch nirgends sichtbar, eher so’n Moor, in dem ich versinke, aber nur bis zur Brust (und mit Schwimmweste). Ich könnte es auch als Moorbad beschreiben, das Bild wäre noch passender, weil es was von Wellness hat. Nämlich der Wellness, aus dem Strom an Gedanken, die sich nicht recht als Boote am Steg vertäuen lassen, wegzutreiben in ein stehendes Gewässer. SIE sagte ja mal, dass sie dieses „Wegdriften“ nicht mehr könne. Wegen Verantwortung für das Kind, das ständig Aufmerksamkeit bedürfe. Romantik wie ich könne sie sich nicht leisten. Ich weiß nicht mal, ob sie das mit Wehmut sagte. Ich hätte das gern, dass sie das mit Wehmut sagte, weil damit ja mein Wegdriften von ihr goutiert würde. Mein Gedanke hat dabei folgenden Plot: Ich möchte von ihr in meinem Leiden an ihrem nicht mit mir Wegdriften bestätigt werden. L. hat so etwas, solche Projektion, neulich als „aggressiv“ bezeichnet. Das schien mir zunächst abwegig, weil ich mir doch als die Sanftmut und Selbstlosigkeit in Person vorkomme. Aber auch das ist reine Projektion – eine die zur Projektion auserkorene Person, hier SIE, missbrauchende Geste, also sogar höchst aggressiv. SIE spürt das und schützt sich somit vor dieser Bedrohung. Dies einsehend schaue ich abends auf dem Weg zum Einkaufen dennoch hoch zu beleuchteten Giebelfenstern (solchen wie in dem video.poem spät.werk am Anfang als found footage aus einer Kommissar-Folge eingebauten) und stelle mir vor, dass ich dort zusammen mit IHR liege, in den Himmel schaue und wir gemeinsam wegdriften (und „nur von Luft und Liebe leben“).

>> 10.01.2010
>> 10.01.2000
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Do, 09.01.2020, 21:49

Aus der Mitwisserecke: Es geht dieser Tage um Verschwinden. Menschen verschwinden oder etwas verschwindet. Ich lausche etwas in die Stille hinein. Ein Funkentelegraf, old school. Ein Satz wie ein Staken im Wattenmeer, den man nur bei Ebbe sieht, der bei Flut verschwindet, bei steigendem Meeresspiegel für immer. Und jaja, seufzseufz … steigende Tränenflut. Ich habe nicht nur Mitleid, sondern Mitschwäche, bin in Sachen Verschwinden Mitwisser. Deshalb esse ich auch immer noch alles brav auf, damit gutes Wetter wird. Es wird trotzdem kein gutes Wetter. Licht verschwindet nicht, es geht gar nicht erst auf. Ich bin wieder sehr weit im Dunkeln. Dort überlege ich, welche Kanäle noch funktionieren. Wie kann ich etwa in einem erzählenden Text eine Botschaft an SIE verbergen, eine, die ankommt, ohne allzu offensichtlich zu sein? Wie moduliere ich ein Signal auf die Trägerfrequenz des Textes? Ich zappe durch alte Mails, wer wo Prinzessin ist. Ich fraß mich durch die ganze Speisekarte von B wie Bauernfrühstück bis A wie Abendmahl.

>> 09.01.2010
>> 09.01.2000
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