pierschiff

„Hic ego qui iaceo tenerorum lusor amorum / Ingenio perii, Ögyr poeta, meo.“

wo, bitte, lege ich gerade an
gestaden an und küsste küsten,
die mir längst verwegen?

wie aber würf’ ich taue
an die schönheit meines eilands
und poller, den zu reiten?

wann dann, wenn nicht jetzt
ich mich zum affen machte
und ihm zuckend zucker gäbe?

wie bitte?, fragst du darob,
bist rat- und rastlos wie ich über’s
überborden uns’rer selbst.

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scarlatti | scan

nenn’ es selbst nicht,
nicht nabelschaubespieg’lung.

nenn’ es schaf, das schleicht
zur schlachtbank sofaklo dahin

wie zu der feder betten,
pelzt sich’s regal und

kocht sich aus die
supp’ im eig’nen safte:

sonatig schüchternes,
scarlatti angescannt.

(musik: domenico scarlatti: sonata d-dur, L164, synthesized for harp solo by ögyr)

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niemä|nn/d|chens fest

niemännchen macht’s dir besser,
macht dich so ruh’n auf den rest,
niemännchen macht es halb so gut wie ich,
mädchen, bin dein fest.

du warst nicht suchend, doch dennoch fand ich dich,
verbarg mich vor schüchterem licht
wie himmel darüber
und gräber darunter,
du sahst mich in den nächten niemals nicht.

und niemännchen macht’s dir besser,
ich wünschte, ich wär’ dir dieser wicht,
niemand wagte dir wie ich, die
wege führ’n zum nichts.

wo du mich hieltest,
wenn immer ich schielte
aus fernerem wir und mir ins du,
welch’s hält mich dir näher
und lässt mich dir kommen
dahin, wo du schon lange nicht mehr bist.

denn niemädchen macht’s mir besser,
als du an schütterem rest,
niemädchen macht es ach so gut wie du,
mädchen, denn du bist uns:

mä|d/nn|chens fest,
niemandes bett
und bester rest.

(nach: Carly Simon / Marvin Hamlisch, „Nobody Does it Better“, Titelsong aus „James Bond 007 – The Spy Who Loved Me“)

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The t|o/w|ilit of the G|ut/od|s (6)

6: räucherei, keller
stehend am renovierten abort, während oben drei mädels, die sich männernamen geben, den folk-|r/c|ock renovieren

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„Immer ist Situation“ – the z-files (2)

10 Thesen:

Ad 1: Erkennen und Aushalten: Die Nähe von sozialrevolutionären und nationalrevolutionären Thesen ist historisch offensichtlich.

Ad 2: Reflektieren: (Nicht nur) meine These von den sich (buchstäblich) zu kurz gekommen Fühlenden, die sich darob Größenwahnsinnigem hingeben.

Ad 3: Nationalsozialismus (wie Stalinismus) nicht mehr nur als wohlfeil „die anderen“ entschuldende „Katastrophe“ begreifen, sondern als immer noch gegenwärtigen Modus, wie Schräge sich gerade machen wollen, wie Gebücktes aufrecht marschiert in den Untergang, mit dem es von Anfang an auch rhetorisch sympathisiert.

Ad 4: Darum wissen: Private Psychologisierungen (statt Klassenkampfanalysen) sind im Politischen gewöhnlich fatal, hier auch – gleichwohl hilfreich.

Ad 5: Woher aber kommt die Sympathie und Fantasie für totalitäre Ideen bei solchen, die ob ihres Seins kein anderes als ein totalitäres Bewusstsein entwickeln können, wollen, müssen?

Ad 6: Die Frage, ob wir aus solcher, selbstreflexiver Beschäftigung mit Ideologie zu einer fundierten Ablehnung und auch politisch umsetzbaren Gegnerschaft solcher gelangen können.

Ad 7: Die Selbstreflexion eigener im Roten dennoch weißer (und brauner) Flecken. Die Unterhosen genau anschauen, dran riechen!

Ad 8: Sich fragen, was einen eigentlich treibt, noch in der eigenen Verheerung: Ein Grundhumanismus (dessen Ursache und Begründung zu hinterfragen ist), oder einfach nur Tötungshemmung gerade gegenüber den Schwächeren und den solchen gegenüber solidarischen Schwächen des eigenen Seins?

Ad 9: Sich also genau fragen, warum wir links wurden (und sind) statt rechts, was beidem gemeinsam und wo die Differenz, die gerade im radikal Sein gern verschwindet.

Ad 10: Dennoch radikal bleiben. Sich nicht beirren lassen, nur weil andere auf der anderen Seite auch radikal sind. Radikal Sein als an die Wurzel gehen, gerade auch die eigene, begreifen. Utopie und komplette Gegnerschaft gegen die Nicht-mehr-Utopie denken, dem Noch-nicht gleichwohl immer zugewandt.

(In all dem können wir, wenn wir wollen und sie als solche benennen, nicht von uns (aber anderen) hinterfragbare Grundsätze setzen – etwa: Die Solidarität mit Israel, dem Staat, der aus den Nachkommen der Holocaust-Opfer hervorging, ist unverbrüchlich und unhinterfragbar aus unserer Mitschuld heraus. Darauf beziehen wir alle unsere Analyse aktueller politischer Vorgänge. Oder: Der Mensch ist gut und ihm ein Helfer. Wo er es nicht ist, helfen wir ihm – mit zu definierenden Mitteln, notfalls nicht als sein Helfer –, es zu werden.)

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The t|o/w|ilit of the G|ut/od|s (5)

5: traum gmbh / orange club
muss nicht pissen, sondern tränen. übermannt plötzlich von romantischen songs, mehr noch von den die refrains selig mitpochenden mädchenherzen

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wachet auf …

„macht euch bereit / zu der hochzeit / ihr müsset ihr entgegen geh’n“

… ruft uns die schweigend stimme.
müd’ geht sie über silben hin
und weiß nicht, was sie sagt.

vielleicht gebet, vielleicht gedicht,
es bleibt uns nichts zu bitten,
die wir im vers verstummen,

und doch den reim darauf gemacht.
am ende jeder zweien
sind wir dreieinig einsam-kiter.

wir wachen auf und schlafen
wieder traulich ein, wir träumer
an des wachens zugeständnis.

wir winken uns in kissen,
wo küsse müssen uns erfrischen
von einer, die wie du nie da,

wie wir auf abgewesen,
ein traum nur, und die lider
traut drunter eingesenkt.

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The t|o/w|ilit of the G|ut/od|s (4)

4: kieler schloss, keller
die schlechten witze des gealterten komikers oben: statt altersarmut steht uns hier der „seniorenstift im ruhestand“

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halbeinsamkeit

statt einsam- die drei-
einigkeit der bilderschirme:
zwei&fünfzig, neunzehn, dreieinhalb gezollt.

kurz nach viere aufgestanden
und seit nachmittag erwacht
in jeweils drei der verse.

noch immer nicht betrunken
trotz vieler halb gefüllter, halb
geleerter gläser.

doch längst ins sofa eingesunken,
halb fünf, halb vier, halb drei,
halb zwei-, halb einsam:

countdown mit zahlen
keiner rechnung mehr,
vor meinen büchern brennend.

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the z-files (1)

und auch die mädl’s / die ausgebräuntem fleisch im tode / anverwandt. ein mord / und weiter früh noch neune // sie drehen sich wie an dem spieß / der döner-presse / auf solchen sich gespieß- / gesellt dem tod, dem töten // fleisch, das töricht töter sich rasierte / ihrem peep-show-opfer / trunken satt doch beide / ins gezeil der presse // jetzt hungert’s zeilen schlagend / die opfer wie die täter / zu verhöhnen // jetzt richten richter das verwöhnen / das wir finden an den opfern / wie der täterin // denn auch die mädel’s, von dem spieß / gefickte, auserwählte zu der mutti-muschi hin / stehen hilfiger und nackt vor meinem porno-auge / fleisch dem fleische // sinn dem sinnlichen / das terror mir erblüht / dem feisten dichter / der parolen solchen / sandte hin // weil alles nichts am fleische dreht / mit taten wenig schlächter / als die wortgewalt.

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