the j.oys

„du wollest dem feinde nicht geben die seele deiner turteltauben“ (bwv 71)

du kleiner großer,
wie ich versunken,
kämpfst gegen die langeweile
des lebens.

du großer kleiner,
wie ich winzig,
mir selbst du sohn,
uns langweilt das weben.

aber da sind die mütter,
die frauen am anfang
und ende, sie sorgen
sich um uns

am schweren schalter
und „dein alter sei wie deine jugend“,
ihre und uns’re,
denn zeit schreitet tröstlich langsam.

geduld müssen wir haben,
alter mann und jünger,
seither in die zukunft.
wir sind in gegenwart vergangen.

aber dein spiel mit dem kreisel,
ich kann ihm kaum folgen,
außer im riesenrad meiner verse.
du reitest das rad, ich staune.

und wenn du lachst,
lache ich auch, wenn du denkst,
ich mit dir, kleiner bruder.
und folge deinem pfad.

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der hemdwechsel

(„… öfter als die schuhe die länder wechselnd …“, b. brecht: „an die nachgeborenen“)

(„… ich bin nicht gern, wo ich herkomme. / ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. / warum sehe ich den radwechsel / mit ungeduld?“, b. brecht: „der radwechsel“)

ich dusche mich nunmehr täglich
(seit geraumer zeit),
obwohl ich das selbst nicht für notwendig achte.
und wechsle jeden morgen das hemd.
nur meine wohnung,
in der ich nicht eigentlich wohne,
säubere ich noch zu selten
für unerwartete besuche.
man fragt mich: wie lange
willst du das provisorium
noch aufrecht erhalten?
und wechsle dennoch am morgen das hemd.

warum sehe ich
den fragen mit ernst entgegen?

ich achte auf mich,
so wie mir befohlen,
und dennoch ereilt mich achtung nicht.
befiehl mir, und ich gehorche,
es sei denn, ich soll nicht gehorchen.
und wechsle immer noch morgens das hemd.
verwechsle die feindschaft mit freundschaft
und gelte als gutmensch
bei allen.

doch wenn die hemden verbraucht,
wenn alle vorhand’nen
der schweiß der erfüllung
der forderung netzte,
dann leer ist der schrank
und staubig der boden
der wohnung, die ich nicht bewohnte.

und dennoch: am morgen
da wechselt mich das hemd,
da duscht mich die dusche,
da gehorchen mir die befehle.
und ich bin ein feind mir,
ein fremder im sauberen hemd.

(ögyr, 2000)

Veröffentlicht unter d.day - keine nacht für niemand, ögyr's vintage revisited | 1 Kommentar

zauberspruch

keerc’s file revo wobnair si poh
retaw no rorrim, rorrim, noom’s aesopiram
say l’evole rewh, wart’s d’lief
no tub roy seat i mets no
msagro otoui ckilkot
noam uj reah’ nikat thaerb
gnot nickill ta tub, nime ton teef
itinrete ’staf i’m nissick
deahni tilck ’s asopir amos
re reve rof ’nivol

retranslate | late transrear

hope is rainbow over life’s creek
mariposa’s moon, mirror, mirror on the water
field straw, where love lays
on stem i tease your button
to click you to orgasm
breath takin’ hear you moan
feet not mine, but at lickin’ tongue
kissin’ my fate’s eternity
so mariposa’s clit in head
lovin’ for ever her

zauberspruch gespiegelt gesprochen und reversed:

zauberspruch:

zauberspruch reversed:

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von den widersprüchen

„die widersprüche sind die hoffnungen“ (b. brecht)
„unter den liebenden gibt es kein gesetz“ (einstürzende neubauten)

die liebe ist ein widerspruch
zwischen zweien in distanz und nähe.
denn liebe ist versuch
zwischen wohl und wehe.

und wo wir worte für sie finden,
sind sie nur zart geflüstert,
ein weg in wirbelnd winden,
stürmen schon vorab verschwistert.

wo weht das hin, mit welchem hauch
sind weit gespannte segel
gebläht vom atem, und im bauch,
die falter flatternd welcher regel?

wo fährt das schiff, das mich gebracht
zu dir, von dir, welch’ widerspruch,
ach, wäre zwischen beiden, die gelacht,
beweinten auch den frühen bruch?

in welchem felde reifen uns’re ähren,
in welchem haine hall’n die stimmen
wider, und wohin werden wir vermehren,
was bleibt von leichterem beginnen?

wir bleiben betend hoffende
mitten in dem widerspruch und -wort.
denn gerade dort ist’s offene,
das uns’rer lieb’ erschafft den ort.

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zwischen den feldern

zwischen den feldern
im sommerabendlicht,
wo wie in wäldern
die sehnsucht auf schicht

zwischen den feldern,
wo das stroh dorrt,
der ernte als eltern,
da bin ich dir dort

in meinem sehnen
mich zu erwähnen
als bauer auf deinem acker,
nicht als sündiger fucker.

zwischen den feldern
wächst mein unkraut,
dich zu bäldern
zart auf deiner haut.

dort in meinem wehen
und in dich spähen
bin ich dein held,
dir schenkend die welt

und den himmel,
dort den sternen
zaudernd gewimmel,
wenn nacht wird’s auf erden.

zwischen den feldern
wächst am wegesrand,
was wir begehrten.
gemäht wie mir der verstand,

leg’ ich die lunte
an deinen körper, (s)explosivst.
bin ich doch kunde
deiner, die du mit mir schliefst.

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du wilde weiche

du bist das wilde
und auch weiche,
du bist so sexy,
und auch sanft

streichst du mir heimlich
über mein haar,
du wölfin,
du weiche.

und geht mein zag’ und zug
am abendmahlabschied,
pingt bald mein handy,
und ich hebe die hände.

ich gebe nicht auf,
doch mich hin.
in all’ meinem lauf
zu dir ich rinn’,

spanne und spinn’
den bogen als brücke;
in liebes sinnlichem sinn
dicht’ ich meine sprüche.

der zug rattert und rettet
die eisernen weichen.
ich hab’ sie gebettet
aufs kommen und bleiben.

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das sanfte

nicht fordern,
doch verzichten,
nicht bordern,
doch berichten:

du nackt,
am gestade,
du lachst
im bade,

welches dir
die beste seite,
drehst dich
zu mir hin.

ich bin begeistert,
träume in den megapixeln
des fotografen,
dasselbe blut

in meinen adern,
brodelnd in kadrierung.
du stehst nackt
im schatten, leuchtend

deine haut
in bäumen.
du bist das sanfte,
das mir währt.

und meine
nackte nacht:
berührst du, was so flink.
ich werde in dir bleiben.

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wie du deine hand

wie du deine hand
wie zufällig meine berührst.
du wolltest flashen,
schon in zwei zügen schachmatt

ich, als ich dir zusah,
das weiß deines lächelns,
deiner snaperotischen haut.
oder im stechenden stroh

wie bienen sektar sammelnd
in deinen errötenden blüten
und buchten, wo nur wir
sind wasser, stein und himmel.

die insel also,
von und zur wir flohen,
wirr all die schmetterlinge
am rain.

nach hundert meter meer
bleiben sie zurück,
trauen uns ’s aber zu,
dass wir häfen fänden.

und deine sanft errigierte
stimme zwischen halmen,
durch die ich dich sauge,
dein de la motte moon.

du singst, du legtest dich
und bliebest liegen,
dass ich erschnupp’re dich
in stiller ruh’, dem lieben.

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farbspiel

braun sind die felder,
rot meine haut (wie indianer) –
und deine lippen und nägel.

golden (fast schon) die ähren im sommerwind
und dein haar im widerschein
wie das deines kindes;

der mond nicht zuletzt,
wenn er leuchtet mir
wie eh den weg in den himmel,

auch nachts noch immer so blau
wie das and’re gewölbe,
grün über mir, der bäume

im vollen saft – und auch
die hoffnung, so heißt es,
nach all jenen schwarzen wintern.

und welche farb’ hat
jetzt meine liebe?
sie schien schon ergraut;

nun schillernd im gegenlicht
hat sie alle des regenbogens.
gießt man sie zusammen,

ist’s brücke,
beschreitbar
zu bräutlichem weiß.

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in den feldern

wie wir einschlummern mit sekt und selters –
und gras, in dem wir lagen am feldrain,
in uns perlend die blüten und flügelnd
schmetterlinge um uns rum – jetzt wieder in der stadt.

((ein falter an meinem schreiblicht,
verwirrter vom schein. ich greife ihn sanft,
entlasse das tier, flatternd in meiner hand,
zärtlich in die nacht, weht davon …
))

und die räder lagen unbewegt,
gleich wieder kreiselnd auf den feldpfaden.
neben uns der noch nicht hohe mais,
wie wir bemerkten, selbst wachsend.

und die hasen, mit langen ohren
ragend aus der gerste. sie hoppeln,
sie eilen, sie rasen wie wir
an den rändern des abgrunds,

fluchttiere wie wir; in selbe richtung,
auf den hof zu, wo die pferde,
mit den hufen im trog, fressen,
malmen heu und stroh.

wir aber (ohne jedes manchmal aber) blinzelten
in uns zuneigende sommermädchensonne.
wie es damals war, wird’s noch wieder:
einst wir verbunden und flüsternde im knick.

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