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chaconne
Posted in lyrik
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unterwegs
nachmittags etwas blei
am himmel, oder graffiti
unkenntlicher wolken.
horizontisch, also hinter den häusern
fenster, gardinenlos, spiegelungen.
eine wartehalle.
gebückte spargelstecher auf dem
feld. eine maulwurfartig grabende
kamera über der krume.
hemmungslos betrunkene, die freundlich
papierfähnchen aus servietten-
fetzen schwenken und leise
lieder pfeifen, atemlos, doch ruhig,
die trenchcoats über dem arm
und in ausgeleierten chucks.
fragend, ob es schon nacht sei
angesichts der dämmerung,
die ausgesprochen milde schreitet.
nachts dann beobachtet man im
licht der straßenlampe,
etwas verblichen, wie sich
eine backsteinwand am rand
einer ruine mit regenwasser
vollgesogen hat.
beim öffnen der mülltonne
geruch von zerfallenden
blüten, noch am strauß;
wie ein gewitter, das heckenrosen
und hagebutten mit blitzlicht-
würfel fotografiert,
der also gefallen ist
als schatten. und nachleuchten,
phosphoreszierend die stengel.
ebenso närrisch wie dichterisch,
oder um im bild zu bleiben,
sprotten nach kiel tragen,
aus einem anfall von
patriotismus für gewisse lokale
heraus, die rechnung
mit dem wirt gemacht,
auf einen wachsenden stapel
bierdeckel getropfte tinte.
Posted in lyrik
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boxenstopp
jetzt die linke, ausholend zum
vers, dreitagebartfaltig.
dies abwarten immer, bis der treffer
mitten auf, nicht zwischen den
zeilen liegt. und das wort am boden,
staubsauger, schlauch, der luftzug
angezählt gewarnemündet – rostock
auf den rüden eisen, rotbäckchen
der kreidebleichen frau, die quietscht,
wenn man auf ihrer hauttafel schreibt,
den schwamm schon nass,
zu trocknen blut, schweiß und
tränen – „drainage“ denkend. in den abfluss
verflossene, deren bett blieb
uns wüst, weil so erhitzt
von schmirgelnden zärtlichkeiten.
das mädchen mit den hölzern unterm
reifen im schlamm, die treibstofferfüllerin,
die schwarzweiß gekarote flagge,
winkend meinem wort etwas wie sieg.
Posted in lyrik, wicked diary
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früh zu
mir schwindelt schon wieder
beim ersten chlorogefühl
vor diesem rauschen im blätterwald,
dem geblühe in zitronenrepubliken.
bin noch am falten des gefallenen
laubs wie der motten ums licht
mit ihren brüchigen flügeln,
wenn die nächte gekürztes erben.
mich ficht das an, die kroküste
violett am morgen, sich schon wieder
den tau vom brandungssaum leckend
und all solche schlüpfrigkeiten …
ich schwinde hin immer wieder, wenn
vor dem blühen ein er- bis z- steht,
dieses schnöde alphagebet des so
genannt pochenden lebens.
Posted in lyrik, wicked diary
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Die (M)DNA der Disco
Madonna: MDNA (Interscope/Universal)
Wir kennen die Vision aus den frühen 90ern, was passiert, wenn man DNA in einem bernversteinten Saurier-Ei findet und daraus die Wiedergeburt solcher ausgestorbenen Spezies in einem „Jurassic Park“ züchtet. Nicht minder haben wir schon mal (das assoziativ naheliegende) MDMA genommen, wenn nicht als Substanz, dann damals, noch davor in den 80ern, von Madonnas „Immaculate“ Mutterbrüsten eingesogen, immer schon ein Faible für Pop-MILFs (wir sagen bewusst nicht: -Saurier) habend.
Jedoch zeugt die ewige Klon-Replikation einer inzwischen prähistorischen Disco- und Dancefloor-DNA aufgrund zu geringer genetischer Diversität inzestuöse Monster. Schon bei „Jurassic Park III“ war das trotz des ehedem ja mal genialen Unterfangens das Problem des Sequels: Es nutzt sich ab, die Urzeit-Echsen werden zunehmend roboterhaft, was ja noch Sinn hätte, wenn man die traute Rave-Vergangenheit in solche einer „Star Wars“-Saga, Episode/Generation X transformierte. All das aber gelingt Ma Donna Ciccone nicht auf ihrem nunmehr das Dutzend voll machenden (besser: endgültig entleerenden) neuesten Studio-Album.
Das muss gerade Saurier schmerzen („I don’t think you know what pain is …“), deren DNA einst, spät-pubertierend von Madonna programmiert wurde. Ohnehin hatten erstere bei letzterer immer nur die Illusion, dass die Verhältnisse zum Tanzbaren zu bringen wären, begriffen den Dancefloor mit all seinen aerotisch gepimpten Kostümierungen und Masken als das, was Verheißung (und dadurch ganz großes Sound-Kino) war, indem es höchst artifiziell inszeniert war, sein Illusionistisches nie verhehlte.

madonna/brandt: die trauer der DNArbeit (aus „MERz.Monstrum“, S. 72 (ögyr, 1991))
Was ist auf „MDNA“ davon übrig? Ein meist dumpf stampfender Nachhall, eine der schlimmsten, weil flachsten Varianten des Dancefloors (wenn es den überhaupt noch gäbe). Indes, auch in der Degeneration seiner DNA schwingt bei der Jurassic-Disco, die Madonna noch bis zu den „Confessions On A Dance Floor“ nie so wenig mehr war als hier, noch immer ein Echo des ursprünglichen genetischen Codes. Und vielleicht macht nur seine nunmehr allzu leichte Entzifferbarkeit das Ungemach.
Dabei geht es mit „Girl Gone Wild“, dessen Intro so – ja, wirklich! – süß an „Sorry“ von den „Confessions“ erinnert (wo sie ja noch höchst gewandt die alte ABBA-DNA repliziert hatte), recht hoffnungsvoll los. Aber dann geht mit der Dame of Pop der bad-girlie-geliftete Klon durch. Immer noch so, dass man sich in ihn verlieben würde, hätte man derlei Revivals nicht schon zu oft müden Mitzuck-Fußes verabschiedet, noch ein letztes Mal „Forgive me!“ murmelnd. Drei Tracks später „turnt“ man das „radio“ nur noch down statt „up“ – es gleicht zu sehr der DNA der Radio-Rotation und ihrer wohlfeilen Jingles wie in „Give Me All Your Luvin“.
Mona Lisa Madonna is dead – gerade noch nicht im „Masterpiece“, das seltsam an ihre ganz alten „Immaculate“-Zeiten erinnert (wie auch das ungebrochen betörende „Fallin Free“). Drum legen wir – traurig – das Ei beiseite, so steril ist es in vitro disco-befruchtet. Und fiepend rennen die niedlichen Raptoren davon, zurück in die Zukunft, „Like A Prayer“ – oh, das waren noch (yeah! ewiggestrige
) Zeiten …
<<< >>>
fallend frei
(nachdichtung: ögyr)
wenn ich falle diesen weg,
ich spür’ an ihm bestimmtes weh,
am haaresspalt, der hält mich fest
in gold, das mich nicht von dir lässt.
ich schneid’ gewiss mir in die brust,
dass du erspürtest diese lust.
denn wenn du solche funken sprühst,
wirst du mich retten aus der wüst’.
dein herz ist meinem doch ein heim,
so werd’ ich frei und nicht mehr dein.
ich falle frei
und seh’ dein herz, das ist auch mein,
dann bin ich frei, zu sein allein.
tief und rein sind wir die wunden
in uns’ren herzen unverbunden.
wenn ich schlage diesen flügel
und flatt’re ihn auf deine hügel,
wirft schatten sich auf uns’re zeit,
und hält dich mir nicht mehr bereit.
denn deine tag’ mir zugedacht,
ich fall’ dir zu und deiner nacht.
und was du nimmst, ist nur genug
von mir und ohne lug und trug’,
es bleibt mir sicherer dein segel,
als dass ich daran dir noch fehlte.
ich falle frei
tief und fest die herzen einen
sich, und werd’ ich dich nur freien,
wenn ich das art’ge wissen fass’
dass ich dich doch nun fahren lass’.
denn ich lasse dich nun los,
weil meiner ist nicht mehr dein schoß.
welch’ fluss auch daraus fließen mag,
er spült mich fort, wo ich einst lag.
und dein gesicht, das throhnt darüber
wie gott, der führte uns hinüber,
dass alle macht und rand des lebens
wär’ uns ein schöneres vergebens.
denn lass’ ich dich nun von mir gehen,
wirst du erst recht mir nicht verwehen.
ich falle frei
ich falle
ich falle
ich falle frei
ich falle
ich falle
ich falle frei
tief und fest die herzen einen
sich, und werd’ ich dich nur freien,
wenn ich das art’ge wissen fass’
dass ich dich doch nun fahren lass’.
tief und fest dein herze pocht
befreit von mir, dem schwarzen docht,
der für dich noch, o, liebste, brennt,
doch jetzt in seine freiheit rennt.
<<< ögyr karaoke >>>
Falling free
(madonna)
When I move a certain way
I feel an ache I’d kept at bay
A hairline break that’s taking hold
A metal that I thought was gold
And pure so sure I’d struck a vein
I wanted you to feel the same
So when you did ignite a spark
Rescue me from all this dark
See our hearts are intertwined
Then I’m free, free of mine
I’m falling free
And see our hearts are intertwined
And then I’m free, I’m free of mine
Deep and pure our hearts align
And then I’m free, I’m free of mine
When I raise a certain wing
And crawl beneath that growing thing
It throws a shadow over time
And keeps yours falling next to mine
Your days were meant to fly and do
I fall and fold mine into you
And what you take is just enough
And what you give is what I love
And when you lift you raise the sail
And then I’m free, free to fail
I’m falling free
Deep and pure our hearts align
And then I’m free, I’m free of mine
When I let lose the need to know
Then we’re both free, we’re free to go
When I lose a certain claim
That tries to know and needs to blame
Whatever river runs aground
It turns my head and washes down
The face of God that stands above
Pouring over Hope and Love
That all of might, and life, and limb
Could turn around and love again
When I let loose the need to know
Then we’re both free, free to go
I’m falling free
I’m falling
I’m falling
I’m falling free
I’m falling
I’m falling
I’m falling free
Deep and pure our hearts align
And then I’m free, I’m free of mine
When I let lose the need to know
Then we’re both free, we’re free to go
Deep and pure our hearts align
And then I’m free, I’m free of mine
I let loose the need to know
Then we’re both free, free to go
<<< weitere ögyr karaokes (2000/2001) >>>
„du bist viel zu schön“ (sugarbabes)
„lucky“ (britney spears)
„menuett“ (wendy carlos)
„präludium.d“ (j. s. bach)
Posted in journaille, meine superhelden
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satz!
((ein „occupy oberhausen!“-manifest in 12(+) sätzen))
entsatz,
ersatz,
versatz.
besatz …
zersetz-
satz.
// setzen! //
satzung,
setzung,
entsetzen
über gesetz:
setz-
wehen.
besetz’,
was dich
besetzt,
mit satz
gegen satz
für satz!
versetze
die sätze
zu neuem satz!
// sitzung: //
sit in
gegen gesetze
und grundsätze,
zinssätze,
grenzsätze.
zu setzen
sich zur wehr,
widersetzen,
auszusetzen
die gestrigen sätze
der gesetze
und ihrer setzer,
sich einzusetzen
für sätze,
gegensätze, kurz:
// satz! //
Posted in lyra larynga, meine superhelden
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ein riss / ein vers / april
(„du bist der rechte weg, die wahrheit und das leben“ – konfirmationsspruch dem ögyr)
„einer horcht“ dem riss an diesem morgen
im vers, den einer schrieb und auch verschwieg,
dass er in ihm ein einer blieb, geborgen,
und ebenso versank, wie es euch stieg,
das wasser von den füßen bis an hälse,
die erde bis hinein ins tiefe grab.
so würden wir, was uns den wein vergällte,
im trunk’nen noch, was nüchtern uns vergab.
wir soffen bis zum er-, auch diesen tagen,
denen frühling schrieb sein eis noch weiß
in manchen regen ein, der fiel als schnee.
denn im april noch aus den himmeln wagen
sich die tiefgedruckten wetter, heiß
und uns’re herzen tragend in ein weh.
spoken: Matthias Wilms (H. M. Enzensberger: „Der Untergang der Titanic, 1. Gesang“, ögyr: „eis am sonntagabend“), ögyr: „ein riss“. Musik: J. S. Bach: aus Motette BWV 229, „Komm, Jesu, komm“ (Eric Ericson: Drottingham Baroque Ensemble, Eric Ericson Chamber Choir)
Posted in ... und der titan nickte, lyra larynga
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fußfundstück
beim nächtlichen tv-zapping dies gefunden, das nicht nur fußfetischisten wie ögyr, auch fans künstlerischer fußnoten erfreuen dürfte: anne klinges fußtheater …
zu sehen hier und in der talkshow tietjen & hirschhausen (NDR, 20.4.2012):
infos: www.fusstheater.de.
walk the line on bare feet telling!
Posted in meine superhelden
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kammermusik wasser
„komm, o, tod, du schlafes bruder,
komm, und führe mich nun fort!
löse meines schiffleins ruder,
bringe mich an sich’ren port.
es mag, wer da will, dich scheuen.
du kannst mich vielmehr erfreuen,
denn durch dich komm‘ ich hinein
zu dem schönsten jesulein.“
unbekannter dichter, musik: johann sebastian bach, cantata 56
Posted in ... und der titan nickte
1 Comment
rudern, blau
leise, lauschend, um
nicht letztes verstummen
zu überhören, rudern
wir durch dieses tiefe blaue tal,
diese schwärze, die sich überall
aus der nacht herab
senkt wie frühlingstau.
unsere ruder tauchen
zart in die sintflut,
die so still jetzt ist,
so schillernd von
aus den wassern steigenden
geistern unter sternenglanz
nach oben. als schwiegen
auch die himmel beschämt
über diesem weiten feld
der verschiedenen,
das sich langsam,
strömend erbreitet.
Posted in ... und der titan nickte
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