anderland 8

bereschit (בראשית)

am anfang war das wort
im licht, das ER von der
finsternis schied.

vorm anfang war also
die finsternis,
wohin ES wird am ende.

im anfang aber werden
wir aus wort, das gesprochen
und dann geschrieben steht.

sechs tage schwerer arbeit,
danach ruht ER erschöpf(er)t.
da aber kreisen schon die sterne

und der mond über unseren
köpfen, von nun an schauen wir ’s an,
sind wir mit blick geschlagen.

doch auch die blinden,
die gehörlosen schuf ER,
solch’ selige im jenseits.

denn das jenseits
schuf ER mit, dass
wir ’s im diesseits begreifen.

(170118)

anderland 7

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anderland 7

lass’ dein herz

häng’ dein herz nicht ans bestehen,
häng’s an das, was hängt, was st-
-ottert, sand ist im getriebe.
und nimm’ den schlag, wo man’s nicht schlägt,

noch nicht den schnellen motor
hat, doch ladehemmung,
dass rohrkrepiert und
dadurch lebt es unersch(l)ossen.

schau zur nähe, nicht ins weite,
lass’ es ran an dich: gewalt’ges –
in zärt- und freundlichkeit.

find’ es im dazwischen, lass’
es eben dieses definieren – und
du wirst mit ihm ein unerfahren.

(170117)

anderland 6 | anderland 8 →

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anderland 6

kleine neugier

„this is the end, hold your breath and count to ten, i’ve drowned and dreamt this moment“

ein wenig noch von diesem liebeleiden,
ein augenschlag und neubegierig,
wie ich als kind war
und noch bin.

nur ist das feld des neuen
abgegrast, und auf mir wächst das grau
durch meine haare, auf der zunge.
doch wartet! ich bin nicht entschlafen,

ich wach’ und wünsche, bin dem neuen
aufgeschlossen im verschluss
des alters, meines herzverzichts.

im neu die seine kleine hoffnung,
dass der mensch dem menschen helfer würde
und führte mich durch euch dortselbst dahin.

(170110)

anderland 5 | anderland 7 →

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stammtisch.sonette 1701

die feinglied’rigen finger der kellnerin,
die schreibt auf den block späte rechnung:
darf ich abkassieren? ihr kugelschreibzeigefinger
nüchtern huschend – und wir betrunken.

die füße der kellnerin in eilend’ sneak.socks,
während wir noch sangen und sannen von GOOGLE.GRAVE,
dem start.up: QR.codes auf grabsteinen!
link vom jen- ins diesseits …

gibt’s längst, X responses auf unseren smartphones.
allein: wie ist’s mit den vögeln,
hunderttausende grasend auf wiesen

im winter? und wie ist’s mit chlorophyll
und den GRÜNEN, habeck und wie
mit dem sein und inklusion und insekten?

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anderland 5

2016+n

„so spricht die revolution: ich war, ich bin, ich werde sein“ (rosa luxemburg, 1919)

wie viele jahre ist noch krieg,
wie viele ist er schon her,
und doch wir: die freundlich
und friedlichen?

wir standen nicht auf,
doch setzten uns nieder
als WACHENDE im garten gethsemani(e).
dort züchtigten wir die BLAUE BLUME,

die man indes hegen muss,
wo hegel und nietzsche schlafen uns an
aus ihren gräbern

zwischen marx’ und engels’. und doch wissen wir,
dass sich etwas ändern wird, entzünden dafür
im TANZ die WUNDERkerzen.

(170102)

anderland 1-4 | anderland 6 →

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anderland (1-4)

1 anderland

der kopf ist eine scheide
zwischen dir und anderland,
ein muttermund und -sprach.
und heimat ist, wo sind

die abbegründe, das
nachher in dem dazwischen.
und vorher auf dem punkt
und g’rade, sich nie schneidend,

an den scharfen parallelen,
drei punkten gleich
die ebenen und mühsam

definieren. vier?:
und wir
hätten dazu das gebirg.

(161226)

***

2 ändere das ende

am end’ der fahnenstange
beginnt der himmel.
dort sind sterne, weit
zwar, aber sichtbar.

doch welches ende ist gewiss,
oben oder unten?
die beiden zwillingsgleich,
weil nur die wurst hat zwei,

und jeder anfang ende ist,
vorangegangen und zurück
dem einen vorwärts,

anderem voran
die flucht ins ehedem
und letzterem zuerst.

(161230)

***

3 uhrzeignarrativ

die urzeit … ach ja, lange her
und doch mit zeigern
jede stund’ im rund – – .. [dada ditdit]
stoppuhr auf null

zurückgestellt, mir
neu erzählt – hundertstelsekundiert
mir VORWÄRTS jetzt und früher,
ewig immerdar.

wer zählt, erzählt darin,
dass zeit hat,
anders als der raum

nur eine (böse) richtung,
verzählt sich und verzehrt
mich in synkopen.

(161230)

***

4 lazarus

so ist es mit der leer’ und leier,
einsamkeiten: sie
kennen kein zurück
und dennoch auferstehung.

sollten wir einst
zu den sternen reisen
– es sieht derzeit nicht danach aus –,
wären gedichte

der soundtrack dazu.
vielleicht dieses –
oder eher, weil schon vorher nicht,

ein anderes,
das nicht so simpel
schlüpft ins grab der nacht?

(161230)

anderland 5 →

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naseweis & schelmenpack

die nacht ist weiß, nicht dunkel,
es strahlt ein licht aus kinderaugen
in diese finstr’re zeit und ihr gemunkel,
das zukunft lässt uns schauen.

wie kindermund tun dichter
manch’ stille wahrheit kund
und schreiben verse weiter, lichter
wird sie uns scheinen hier im rund,

in das die rentier’ zieh’n mit ruprecht
sein schweres pack auf schlitten.
solch’ naseweis – dem schelm gerecht –
auch nächstes jahr wir zu uns bitten.

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gedichte ögyr 2016

gedichte ögyr 2016 (PDF)
gedichte ögyr 2016 (Video)

Veröffentlicht unter d.day - keine nacht für niemand, hannoveraner elegien, lyrik, reiz[ende]worte | Hinterlasse einen Kommentar

das ew’ge

das ew’ge unter ständen,
lichtverkettet die
la familia skrüppellos
in bremsgespur.

das ew’ge an geländern,
überbeugende, schon wissend,
was zu schrei’n den unten zu:
wer rein will, muss erst raus!

reifen, feige felgen, scheppernde
gefenster, roheit und dann ressent’ment.
trauer endlich wortlos …
… letzte zeile meidend ….

ich lieb dich, steht
auf ewig lebgekuchtem herz;
groß ist ER, der HErr
und fassungslos davor.

man lässt den diesel ab,
dass charons nachen
leichter, ewig werde.
schwerer, sinkender wird er.

Veröffentlicht unter d.day - keine nacht für niemand, flüchten oder standhalten | Hinterlasse einen Kommentar

lass den himmel

lass dem himmel
seine hölle,
lass ihn fallen
wie den engel.

halt den atem an,
und herzschlag bremse,
wo das alte, lass die sonne
in des mondes schein hinan.

lass den blüten späte wonne
und dem blatt noch seinen fall.
wo noch war die sonne,
ist dem lied sein ultraschall.

lass dem untergang
sein werden,
wie er rät dem nächsten,
und die weiden deinen pferden.

halt an und gehe weiter:
stehen bleiben gibt es nicht!
wo wir gehen,
bleiben pfade in das dunkle dickicht.

lass den küsten
ihre wasser
und dem strand sein branden,
und lasse mir mein anverwanden.

gehe weiter, frag mich nicht,
wohin. lass dann die leiter
stehen, wo wir steigen
hin und auf ins licht.

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