„… ein Sprachscharnier zwischen Traum und Welt“ – Klavki 39

Thirsty? N[e]in[e] – und Jaja! Am 4. Oktober 2011 hätte der Kieler Dichter Klavki seinen 39. Geburtstag gefeiert. Hier eine Hommage an den Dichter, einen Teil seines Vermächtnisses, sprachend wie sprechend, aus anderen Mündern mensch.


(Foto: Frank Peter)

Ein wirres Konvolut, ein Epitaph, das wie bei Klavki immer auch Prolog des Epilogs ist. Prolegomena in Einzahl der Worte, der Bilder, der Sprache.

Ein Flirren, „ein Sprachscharnier zwischen Traum und Welt“, zwischen Klavki und seinen Wiedergängern, den Zwischentönen des Weiterdichtens im Sinne und Sinnen und Sinnlichen dessen, der am 4. April 2009 starb. So „geben wir das Verstummen weiter“ …

… in Originaltexten von Klavki, gesprochen von Freunden und Fans:

… in Texten über, mit, durch und an Klavki geschrieben und gesprochen:

Weiteres von und zu Klavki: www.klavki.de.

8 Antworten zu „… ein Sprachscharnier zwischen Traum und Welt“ – Klavki 39

  1. Christiane sagt:

    Unter diesem Link werden auch ein paar Worte dazu verloren. 🙂

  2. Pingback: jahr 4 | schwungkunst.blog

  3. Tante Inge sagt:

    Schlimm ist nicht der Tod.
    Schlimm ist auch nicht, daß er immer zur Unzeit kommt –
    »Hach, das paßt mir aber grad gar nicht!« –
    Er kommt gewiß – gewisser selbst als vielen das Amen!
    Schlimm ist noch nicht einmal, das Sterben anderer erleben zu müssen.
    [ögyr, du weißt, auf wen ich anspiele, es sind mindestens 4, die so geholt wurden]

    Schlimm ist zu erfahren, wann er kommen wird.
    Die Erkenntnis, allzu plötzlich, daß ich ZU SPÄT dran bin.
    Aus das süße Leben des Prokrastinatoren!
    Der Gast kommt, und der Tisch ist nicht gerichtet.

    Und es ist ZU SPÄT. Es ist immer zu spät für die Letzten Dinge.

    Sei bereit also! Immer bereit …

    • Ingeborg Loll sagt:

      Diese ironische Art mit dem Thema “Sterben” umzugehen setzt voraus, daß das Sichvorstellen/Erfahren zuerst in Bereichen stattgefunden hat, wo es sehr nahe erlebt wird – sei es real, sei es innerlich. Ironie kann stattfinden, wenn da viel abgelaufen ist – und die gewonnene innere Ruhe die scheinbare Leichtigkeit des ironischen Sprechens/Schreibens erlaubt, ohne daß da irgendeine Hohlheit, ein Sichverbiegen spürbar wird.

  4. Pingback: „this is a recording“ | schwungkunst.blog

  5. Franz Sternbald sagt:

    kafkaesk – Empfehlung Buch-Neuerscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    Schuldlos Schuldig ..
    „Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet ..“ {Franz Kafka, Der Prozeß}
    Mit einiger Distanz zum existentiellen Bedrohungsgefühl des Herrn K. geäußert, müßte es heißen, ohne daß er ein klares Bewußtsein der Schuld hegte, fühlte er sich beschuldigt. Woher kommt dieses Grundbefinden wohl eines jeden Menschen, das ihn veranlaßt, sowohl seine Motive im Unterbewußten verborgen zu halten, als auch die eigentlich menschlichsten Verrichtungen des Lebens schambehaftet zu verleugnen. Woher die anlaßlos beständige Betretenheit seines Gewissens?
    Kierkegaard antizipierte Kafkas Prozeß in „Entweder-Oder“:
    „Wo bin ich? Was heißt denn das, die Welt? Was bedeutet dies Wort? Wer hat mich in das Ganze hinein betrogen, und läßt mich nun dastehen? Wer bin ich, wie bin ich in die Welt gekommen, und warum hat man mich nicht vorher(!) gefragt? Wie bin ich Teilhaber geworden in dem Unternehmen, das man die Wirklichkeit nennt? Warum soll ich Teilhaber sein, ist das nicht eine Sache des freien Entschlusses? Und falls ich genötigt (unfrei) sein sollte, es zu sein, wer ist denn da der verantwortliche Leiter? Gibt es keinen verantwortlichen Leiter? An wen soll ich mich wenden mit meiner Klage? Wie denn, ich bin der Angeklagte? Wie ist es zugegangen, daß ich schuldig ward? Oder bin ich etwa nicht schuldig? “
    Dieses Schnellfeuer von Fragen entspringt einer Mischung aus der Verzweiflung und gleichzeitiger Überhebung (Hybris) eines Wesens, das in seiner Vereinzelung das Ganze herausfordert und infrage stellt. Das Empfinden einer Schuldigkeit ist Ausdruck einer Abgerissenheit durch die Entbindung aus einer vormaligen Einheit, und Sendung in das Verhängnis eines subjektiven Schicksals.
    „Ihr führt ins Leben uns hinein,
    Ihr laßt den Armen schuldig werden,
    Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
    Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.“

    Die Desintegration einer vormaligen Einheit bedingt die Mannigfaltigkeit des dinglichen Seins. Mythologisch gesprochen, bedeutet die Zerstückelung des Gottes Dionysos zugleich seine furchtbar fruchtbare Entäußerung zur Welt. Aber nach Nietzsches Überzeugung von einer steten „Wiederkunft des Immergleichen“, wäre auch die Nachricht vom Tode Gottes nur ein Vorurteil. Hier eröffnet sich der Raum für den Auferstehungsgedanken im Glauben an die verheißene Wiederkunft (Parusie) Jesu gemäß der biblischen Johannes-Offenbarung. Sie folgt gleichfalls auf seinen vorangegangenen Tod und Verklärung.
    Gemäß der Kosmogonie des Heraklit (~500 v.Chr.) ereignen sich periodisch wiederholte Weltuntergänge und die Hervorbringung immer anderer Welten in unendlicher Folge. Ihr jeweiliges Ende sei in der Auflösung, nicht Auslöschung, in einem umfassenden Weltbrand eines läuternd reinigenden Feuers besiegelt, womit zugleich das verzehrende Begehren in einer „Sattheit“ münde. In einem solchen Zustand bestünde nun aber der eigentliche ‚Frevel’, im Überdruß der Sättigung, der einen außerhalb der Zeit liegenden ‚Trägheits-Moment’ als einen Totpunkt darstellen würde.
    Wie ist nun aber der Trieb zur neuerlichen Geburt einer Welt motiviert?
    Das sich Ausgießen in die Vielfalt der Formen des Seins entspringe einer Hybris, so Heraklit, die der frevelhafte Zustand schweigend brütender Selbstbezüglichkeit hervorbrächte. Seine sündhafte Frucht ist gleichsam ein ‚bulimisches Erbrechen’ in die Diversifikation des Seienden, wovon die ausgeworfenen, nunmehr in die Existenz ausgesetzten Wesen zeugen. Gemäß dieser Erklärung wäre das Dasein der Dinge zwar von einer kosmischen „Urschuld“ belastet, wenn auch von ihrer individuellen Schuldigkeit entlastet, deren tragische Konsequenzen zu tragen jedoch ihr künftiges Schicksal sein würde.
    Heraklit befindet sich hier im Grunde mit Anaximander (~600 v.Chr.) in einem Einvernehmen, der gleichfalls eine grundlegende Schuldhaftigkeit unserer Existenz, bereits ein Jahrhundert vor Heraklit angenommen hatte. Diese Erklärung liegt kulturgeschichtlich an der Wurzel des Gedankens vom Sündenfall der Schöpfung (siehe Glossar: Demiurgen&Archonten).
    „Woher die Dinge gekommen sind, dahin müssen sie auch wieder zurück, zu ihrem Untergang. So will es das Gesetz, denn sie müssen Buße tun, für das ‚Unrecht’, daß sie vorhanden gewesen“
    Alles was einmal geworden ist, vergeht auch wieder. Überall wo wir bestimmte Eigenschaften und Attribute wahrnehmen, dürfen wir auf den Untergang derselben rechnen. Nie kann ein Wesen, wie machtvoll es auch gedacht werden kann, das bestimmte Eigenschaften besitzt, Ursprung und Prinzip der Dinge sein. Das wahrhaft Seiende kann keine bestimmten Eigenschaften besitzen (und andere damit ausschließen, etwa die gegenteiligen), sonst würde es wie alle anderen Dinge, selbst wenn es dieselben umfassen würde (wie die Menge aller Mengen bestimmter Eigenschaften), entstanden sein müssen – und zugrunde gehen.
    Damit das Werden nicht aufhört, muß das Urwesen unbestimmt sein (sodaß ihm kein Namen zugewiesen werden könne). Das Urwesen alles Seienden ist reine Potenz, nicht bestimmtes Sein in der Existenz. Es existiert nicht, sondern potenziert vielmehr, darin liegt seine eigentliche schöpferische Kreativität.

    *

    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald

  6. Franz Sternbald sagt:

    prometheisch – Empfehlung Buch-Neuerscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    .. Prometheus stellt mit seinem Leiden (nach dem Urteil Zeus’, angeschmiedet am kaukasischen Felsen) und Auferstehung (nach dem Sturz in den Tartaros), einen düster heroischen Gegenentwurf dar, zu Jesu heilsbedeutsamen Sühnewerk.
    Da er vom Olymp das heilige Feuer entwendete und den Menschen brachte, gilt Prometheus vielfach als ‚Luzifer’ (Lichtträger). Er erhielt somit als Abtrünniger von Gottes Willkür-Macht den Status eines revolutionären Wohltäters und Aktivisten des Fortschrittsgedankens. Als solcher hat er infolge dessen in die anti-göttliche Ideologie der Illuminaten-Orden Eingang gefunden. Dies entspricht dem Bild vom gefallenen Engel Satan, in der Selbststilisierung als Unterstützer der Selbstbefreiung und Emanzipation des Menschen von jedweder heilsgeschichtlichen Bevormundung (gemäß der thelematischen Formel: „Tu unveranwortbar was Du willst!“, die exklusiv von psychopathischen Global-Eliten in grandioser Selbstüberhöhung gegenüber dem allgemein Menschlichen beansprucht wird).
    Bei den ‚prometheischen Abtrünnigen’ soll es sich im Umfang eines Drittels der Engelschar gehandelt haben, und damit um eine immerhin machtvolle Minderheit. Als ein Geschlecht von Wesen, die aus der Gnade Gottes gefallen waren, begannen sie nun das Werk der ‚großen Lehr- und Baumeister’ (hebr.: Banim), mit dem Ziel auf Erden eine Weltordnung als ‚Tempel’ zur Verherrlichung ihres eigenen Genius zu errichten. Jene unsichtbare Pyramide der Macht, an deren Spitze eine Elite der ‚erleuchteten Eingeweihten’ stehen sollte, und deren Basis den Weltprozeß als ‚Maschinen-Fabrik’ des rastlosen Profitstrebens in Gang hält. In einem solchen Entwurf der Welt als ein spekulativ profitables ‚Unternehmen’, steht der Mensch lediglich in einem unaufhebbaren Angestelltenverhältnis als Sklave einer Ertragsnutzen-Ideologie. Nach der ersten Vertreibung aus dem ‚Paradies’ der matriarchalen Kultur, erfuhr der Mensch nunmehr seine zweite Vertreibung aus dem Heimatbegriff in seinem Dasein selbst. Fortan bedeutet ihm Existenz Ausgesetztsein zur marktradikalen Freiheit, nach der Befreiung durch einen luziferischen Prometheus.
    Dieser wandelt sich jedoch, oder wechselt vielmehr nur wie ein Chamäleon seine Erscheinung. Er wird damit kein wesentlich Anderer, sondern ändert seine Bedeutung als ‚Gut-Menschen-Freund’. Fortan ist Prometheus nämlich der Zuchtmeister der ingeniösen Effizienz. Er, der vermeintlich gekommen ist, die Menschen zu befreien, wird zu ihrem Sklavenhalter. Seit seiner Ankunft gibt es die Sklaverei überhaupt erst, denn diese ist ein Vehikel des Handels und Wandels, der Produktivitätssteigerung und Expansion des Geschäftsvolumens. Die Menschen sollten in der prometheischen Lehranstalt dazu befähigt werden, den Himmel zu stürmen, wo Zeus thront, an dem sich Prometheus zu rächen gedenkt. Aber er kann ihm nicht gleich werden, säße er auch gleich auf dem Olymp, denn er hat von Zeus nur die Zorneslist und die Grausamkeit, ansonsten ist und bleibt er der Gefallene, im Hebräischen Anführer der Nephillim, oder im Sumerischen Annunaki (=„die vom Himmel kamen“, „Göttersöhne“).
    Prometheus vermag nur die Hölle zu erringen, in die er die Erde verwandelt, indem er sie zu seiner Glut-Esse und Waffenschmiede für seine Rachepläne macht.
    Für den prometheischen Menschen bedeutete dies zunächst eine Schule der technologischen Bemächtigung der Welt, die Unterwerfung der Natur unter das Effizienz-Kalkül des ökonomischen Nutzens. Prometheus brachte den Menschen auch die Kunst der Metallverarbeitung an der Schmiede des Hephaistos, jenem hinkenden Gott der vulkanischen Unterwelt, dem bei den Germanen der verschlagen bösartige Loki entspricht, der wiederum seinerseits den Tod des geliebten Gottessohnes Baldur verschuldet hatte (in der Edda, als eine nordisch frühchristliche Kompilation auf dem Boden einer älteren Dichtung, steht Baldur übrigens tatsächlich in einer gewissen Analogie zu Jesus).
    Was mit der Verbannung aus der Gegenwart Gottes in „Asgard/Paradies“ (germanisch: Garten der Asen) verloren ging, sollte nunmehr in gewalttätiger Eigenmächtigkeit mit der Errichtung eines ‚künstlichen Paradies’ (jenes von Baudelaire so benannten unseligen paradis artificiel, das nur unter Drogeneinfluß zu ertragen wäre) ertrotzt werden. Man fühlt sich dabei an Sarumans Isengard (=Eisen-Garten) aus Tolkiens „Herr der Ringe“ erinnert, wo gleichfalls humanoide ‚Menschen’ (die sog. „Orks“) aus Ton und Lehm gemacht wurden. Ein aus der Grube gehobener Menschenpark als Gegenschöpfung von künstlicher Intelligenz (KI); die Welt als Maschinen-Garten und Exil für das ehemals als Ebenbild Gottes gedachte Geschöpf.
    Der Legende nach habe Prometheus den Menschen ihre vormalige Fähigkeit der Hell-, bzw. Klarsicht genommen, um ihnen den Blick auf die Zukunft zu rauben, bei dessen Ahnung ihnen ‚das Herz bräche’ (eine interessante Voraus-Deutung des ‚Vordenkers’ auf die kommenden Konsequenzen der atheistischen Sozialismus-Utopie auf der Basis eines vermeintlichen technologischen Fortschritts).
    Bei jenen ‚Großen Alten’, die auch als Archonten bezeichnet werden, brachten ihr schöpferisches Ingenium als ‚planetarische Ingenieure in kosmischen Dimensionen’ ein, das ihnen vom Anbeginn der Schöpfung einst verliehen worden war, um als Demiurgen der Welt wirken zu können. Zahlreiche Bild-Reliefdarstellungen aus Alt-Ägypten und Mesopotamien, zeigen mächtige Hybrid- oder Dämonenwesen die sich symbolisch am ‚Baum des Lebens’ zu schaffen machen (was auch als Manipulation an der Genetik von Mensch und Tier gedeutet werden kann).
    Von den altpersischen bis zu den gnostischen Lehren im frühen Christentum, hat daher die Vorstellung geherrscht, daß nicht Gott selbst die belebte Welt geschaffen hat, wie sie sich uns nunmehr in der Naturgeschichte darstellt, sondern eben jener Demiurgos, der demzufolge auch für die Unvollkommenheit und Übel der Welt verantwortlich sei. In weitergehenden Mythen, die u.a. der Schriftsteller des phantastischen Grauens H.P. Lovecraft in seinem Werk verarbeitet hat, würden die ‚Großen Alten’ (vgl. H.P.L.: „The Old Ones“) seit ihrem Sturz, und in der Folge von weltstürzenden Kataklysmen in Gestalt von kosmischen Katastrophen, in einem brütenden Dämmer in den Abgründen des Kosmos schlummern, oder aber in den ‚unterweltlichen’ Tiefen der Erde. Nach der christlichen Lehre war Satan, bezeichnenderweise, der „Drache“, die „Alte Schlange“ genannt, und damit gewissermaßen als Reptiloid ausgewiesen, lediglich auf die Erde ‚geworfen’ worden, die seither als sein Machtbereich angesehen wird. In der „Göttlichen Komödie“ Dante Alighieri befindet sich der Teufel auf dem Grunde eines tiefen Erd-Trichters, der in aufsteigenden Stufen von den neun Kreisen der Hölle, wie von einem ‚umgekehrten’ Planetensystem des Bösen, umgeben ist. Erst in der biblischen Apokalypse wird die endgültige Überwindung Satans und seiner dämonischen Genien verhießen.
    In der Prometheus-Sage wird in einer eigentümlichen Analogie zur biblischen Schöpfungsgeschichte behauptet, daß es auf Erden zunächst ausschließlich die durch Prometheus kreierten Männer(!) gegeben habe (dies im Widerspruch zu Platons Annahme, daß der Mensch uranfänglich als in sich vollkommen selbstgenügsames androgynes ‚Kugelwesen’ erschaffen worden sei), und mit der von Zeus gestifteten Pandora wäre erstmalig eine Frau in Erscheinung getreten, die der fatalerweise ‚hinterher-denkende’ Epimetheus, trotz Prometheus’ voraus-denkende Warnung, ehelichte. Deren Tochter sollte mit Deukalion denjenigen heiraten, der schließlich als einziger die Sintflut überleben wird, mit der Zeus das prometheische Menschen-Geschlecht der mythischen Prähistorie auszulöschen versuchte. Aber Prometheus unternahm noch einem weiteren Versuch einer neuerlichen Menschenzucht …
    Pandora aber, die unglückselige Schwägerin des Prometheus, sorgte mit ihrer Neugier dafür, daß sämtliche Plagen über die Welt kamen, als sie das Gefäß (die sog. ‚Büchse der Pandora’) öffnete. Sie enthielt den eifersüchtigen Zorn des Gott-Vaters Zeus (dyaus/ deus –> diu-pater/ Jupiter) auf das irdische Werk der Selbstermächtigung. Es heißt, als Zeus auf Erden die Tausenden Lichter sah, soll dieser in heftige Wut geraten sein. Als aber die Plagen aus dem Gefäß des Zornes Gottes in die Welt entwichen waren, verschloß Pandora rasch wieder den Deckel, so daß allein die Hoffnung auf dem Grund des Gefäßes zurückblieb

    *

    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald

  7. Franz Sternbald sagt:

    archontisch – Empfehlung Buch-Neuerscheinung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    „Ich glaube, die größte Barmherzigkeit besteht in der Unfähigkeit des menschlichen Verstandes, alles sinnvoll zueinander in Beziehung zu setzen. Wir leben auf einer friedvollen Insel der Ahnungslosigkeit inmitten schwarzer Meere der Unendlichkeit, und es war nicht vorgesehen, daß wir diese Gewässer weit befahren sollen. Doch eines Tages wird uns das Aneinanderfügen einzelner Erkenntnisse so erschreckende Perspektiven der Wirklichkeit und unserer furchtbaren Aufgabe darin eröffnen, daß diese Offenbarung uns entweder in den Wahnsinn treibt, oder uns aus der tödlichen Erkenntnis in den Frieden und den Schutz eines neuen dunklen Zeitalters flüchten läßt.“ {Howard P. Lovecraft; ‚Call of Cthulhu’}
    Unser sehnsuchtsvoller Blick zu den Sternen war stets von der faszinierenden Hoffnung beseelt, dort mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf verständige Andere treffen zu können, die uns gleichsam als ideal überhöhter Spiegel zur Vergewisserung der Menschheit als Gattung verhelfen könnte. Daß diese Hoffnung uns auch grausam trügen könnte, äußern in jüngster Zeit Exobiologen zunehmend mit warnenden Stimmen. Es ist in der Tat möglich, daß außerhalb unseres begrenzten Wahrnehmungsbereiches andere Wesen existieren. Andere Kreaturen, Rassen, Konzeptionen und Intelligenzen. Einige davon sind uns wahrscheinlich an Intelligenz deutlich überlegen. Was aber läßt uns glauben, daß diese Wesen in irgendeiner Weise überhaupt eine spirituelle Natur eignen, und nicht vollkommen amoralisch handeln, etwa parasitär und expansiv wie Schleimpilz und Schimmel. Es ist nicht völlig abwegig, daß etwa die massenhafte Produktion von nanotechnischen Partikeln (Smart Dust) vorgenommen wird, die in gewisser Weise als ‚intelligente Naniten’ auf mikrobieller oder molekular-genetischer Ebene im lebendigen Zellstoffwechsel operieren könnten, vermittelt, bzw. aktiviert durch ultrahoch-frequente Energieeinkopplung/ Bestrahlung. Der forcierte Ausbau des 5G-Standards scheint ein derartiges Szenario vorbereitend möglich zu machen. Selbst ein gehobener Intellekt bei Technokraten garantiert nicht dafür, daß nicht auch eine kultivierte ‚Bösartigkeit’ der Idee von einem irdisch denkbaren Glück, oder gar möglichen kosmischen Harmonie des diplomatischen Austausches des universellen Lebens hohnsprechen könnte.
    Was uns eine logisch basierte Wissenschaft zu vermitteln versucht, ist, daß wir lediglich in einem vermeintlich tauben und schicksalsblinden, und mit unserer eigenen zugestandenen Ausnahme ansonsten toten Universum existieren würden. Mit der Verbannung sämtlicher Schöpfungsmythen leugnen wir jedwede Absichtlichkeit auf dem Grund des Seins, nachdem wir bereits Verzicht geleistet haben auf irgendwelche Sinnhaftigkeit und Zielsetzung. Somit generieren die selbstgesetzten Zwecke nur immer neue Zweckmäßigkeiten mit jeweiliger Referenz wiederum nur auf sich selbst.
    In dieser Weise liefert der wissenschaftliche Rationalismus aber als Mechanismen der Verdrängung des mythopsychologischen Grauens vor der eigentlich auch für den modernen Menschen kaum verdrängbaren Un-Heimlichkeit am irdischen Dasein. Die Tiefe des Schweigens in der absoluten Schwärze des Alls hat etwas Lauerndes.
    „Das ist nicht tot, was ewig liegt ..“, warnte H.P.Lovecraft in seinen Schriften zum phantastischen Realismus, und mahnte vor der Realität des Phantastischen. Dort in kosmischen Abgründen lauerten seit Äonen die Großen Alten’ im bewußtlos brütenden Dämmern, und warten auf den Tag ihrer Wiederkunft. Es soll sich nach gnostischer Lehre um die Archonten handeln (die biblisch als Elohim in Mehrzahl erwähnt sind), jene großen kosmischen ‚Baumeister’ und prometheischen Ingenieure der belebten Welten an der Seite des Schöpfer-Gottes (biblisch bekundet: „Laßt uns Menschen machen, nach unserem Bilde“). Die offizinale Kirchengeschichtsschreibung versuchte die tiefen Einsichten der frühchristlichen Gnosis von der wirklichen Beschaffenheit der Welt zu unterdrücken. In den Schriften von Nag Hammadi (ca. 4 n.Chr. Jhrd.; Entdeckung erst im Jahr 1945) findet sich die Nennung des Demiurgos als Schöpfer einer illusionären ‚Realität’, und seiner kosmischen Architekten, den sog. Archonten. Aber mit derem Sturz und Fall in der Folge des anmaßenden Mißbrauchs ihrer göttlichen Vollmachten, fiel auch ein finsterer Schatten in die Welt. Abgekoppelt von der lebendigen Schöpferkraft wirken sie auf der leblosen Ebene der technologischen Machenschaft einer künstlichen Intelligenz (KI). In den gnostischen Texten des frühen Christentums wird die physikalische Realität als eine Simulation bezeichnet. Diese Matrix der Illusion wird dort übrigens mit „HAL“ bezeichnet (in Stanley Kubriks Odyssee 2001 verweist der Name des zentralen Bordcomputers HAL auf dessen Kern heuristischer Algorithmen)
    Möglicherweise ist die Wahrnehmung einer all-umfassenden Dunkelheit beim Blick in den nächtlichen Himmel, gerade auf jene Dämpfung des Lichts durch einen dunklen Schleier der Matrix unseres Daseins in einer ‚abgefallenen Schöpfung’ zurückzuführen.
    Abgeschieden von den Sphären göttlichen Lichtes, dringt es zu uns lediglich als spektrale Schatten. Es ist eine Buntheit auf der Skala der ‚fifty grades of shades’. Man ist erinnert an das sog. Olbert-Paradoxon, wonach in Anbetracht von Abermilliarden Sternen, das All eigentlich mehr als taghell erleuchtet sein müsse. Der radiale Lichtverlust aufgrund großer Distanzen ist bislang nur eine unzureichende Erklärung für dieses Phänomen. Einige thesenhafte Vermutungen in der modernen Physik postulieren eine sog. ‚dunkle Materie’, die zwar die zu erwartende Masse darstelle, selbst jedoch nicht im optischen, bzw. elektromagnetischen Spektrum nachweisbar sei.
    Möglicherweise ist aber gerade die rationale Wissenschaftlichkeit der Ausdruck für eine Verengung des Spektrums der Wahrnehmung überhaupt, von dem was eigentlich Ist.
    In den Schriften von H.P. Lovecraft würden die ‚Großen Alten’ (Archonten) auf einen weckenden Ruf in nicht allzu langer Frist dereinst wiederkehren. Es scheint indes, daß das, was prähistorisch archaische Riten, schamanische Schellen und Trommel, und das dissonante Pfeifen ‚blasphemischer’ Flöten (Lovecraft), bislang nicht vermocht haben, nunmehr durch das techno-logische Getöse unserer Zeit gerade ein solcher Weckruf für jene apokalyptischen Kräfte weit hinaus in die Tiefen des Alls schallt.

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    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald

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